trotz meiner derzeitigen trauer muss ich weiter ans jobsuchen denken. leider habe ich vom personalmenschen, bei dem ich mein viel versprechendes vorstellungsgespräch hatte, bis jetzt nichts gehört.
einerseits kann ganz einfach die tatsache daran schuld sein, dass mir letzten mittwoch meine handtasche samt handy geklaut wurde. besagter personalmensch KÖNNTE also sehr wohl angerufen haben. in meiner fantasie höre ich richtiggehend mein handy in einer mülltonne zwischen faulenden salatblättern und übel riechenden gammel-dosen einsam und verzweifelt vor sich hin-poopsen. (aber keine angst: handy wurde schon längst abgemeldet. das arme dingelchen poopst nicht einmal mehr im nirgendwo …)
andererseits habe ich meine freundin, die in eben jener firma als rechte und linke hand des bosses ihren dienst versieht, sehr wohl über den diebstahl und meine neue handynummer informiert. man müsste dort also bescheid wissen.
klar, ich könnte mal anrufen, aber mit meinem momentanen seelenzustand kann ich mich nur schwer zu irgend etwas aufraffen. den job müsste ich auch sofort antreten und eigentlich kann ich ein SOFORT gerade jetzt nicht brauchen … ich steh immer noch ein wenig neben mir, komme mir zombiehaft vor.
hej, halt, rede ich mir hier selbst gerade einen job aus?
und wenn ja, wieso?
weil er - nach intensivem in mich gehen, gesprächen mit freunden und langen überlegungen - doch nicht hundert pro meinen vorstellungen entspricht?
oder nehme ich meine trauer als vorwand nicht selbst aktiv zu werden?
und wieder: wenn ja, warum?
und, wenn ja, bin ich ein schlechter mensch?
oder steckt etwa die tatsache dahinter, dass ich mich in diesem job jetzt nicht festlegen will, weil ich demnächst ein sehr interessantes jobgespräch führen werde, das sich vollkommen mit meinem berufswunsch deckt?
will ich etwa nicht nach meiner zusage zu dem job in der firma meiner freundin “gefangen” sein, wenn jenes andere, baldige gespräch so verläuft wie ich es mir wünsche?
und was ist wenn jenes gespräch nicht so verläuft wie ich es mir wünsche?
dann steh ich wieder ganz am anfang - back to square one.
bei einem kompletten job-neustart sollte man schon genau überlegen: was will ich, was kann ich, wie kann ich es verwirklichen, wie bekomme ich die richtigen kontakte …
job-aus-reden sind lästig, weil sie einem ständig im kopf herum spuken.
aber job-aus-reden passieren nicht nur in phasen der jobsuche, auch ertappt man sich hier und da dabei, wenn man im arbeitsprozess integriert ist. ähnlich wie das berühmte “schulstang’ln” - man hat nicht jeden tag lust zur arbeit (schule) zu gehen und würde gerne schwänzen.
engelchen- und bengelchen-erinnerungen an “schwänzen-wollen-tage” in arbeitszeiten:
bengelchen: komm, engelchen, lass und mal wieder blau machen! ich will heut so ü-ba-haupt nicht!
engelchen: also wirklich, bengelchen, und was sagst du deinen kollegen? die dürfen für dich deine arbeit einbringen und du machst einen auf blau? ist das fair? bist du ein … kollegenschwein?!
bengelchen: nein, fair nicht, aber wenn du glaubst irgend einer von denen macht wirklich meine arbeit in meiner abwesenheit, schwebst du zu oft auf wolke 10 …
englechen: ätsch, bengelchen, wolke 10 gibt’s nicht, das solltest selbst du wissen!
bengelchen: wirst jetzt gehässig? hm? brems dich ein, das passt nicht zu harfengezupfe und heiligenschein!
engelchen: okay, das war vielleicht ein bisschen … böse, aber wennst auch immer so faul bist, bengelchen. ohne dich wär vieles um so vieles leichter!
ich: … aber dann hättest du es noch immer mit mir zu tun …
bengelchen (gehässig): … pass nur auf, ich, wenn engelchen wieder zwischen unsere fronten gerät, wird es vielleicht zickig.
engelchen (droht mit dem zeigefinger): ihr schweift vom thema ab, ihr beiden. wir haben übers “blaumachen” gesprochen. blaumachen ist nicht drin. lasst uns alle drei schön brav in die arbeit gehen …
bengelchen (schmollt): … bist ja schon schlimmer als meine arbeitswütige mutter!
… innerlich habe ich in arbeitszeiten des öfteren diesen dialog geführt. gewonnen hat stets mein “engelchen”. und nun, in arbeitslosen zeiten, setze ich mich anscheinend mit genau dem selben thema aber mit anderen vorzeichen auseinander.
4 Antworten bis hierher ↓
Sisou // September 3, 2007 um 6:31 Uhr vormittags
Wenn man immer nur Engelchen war, dann kommt zwangsweise eines Tages der Zeitpunkt, an dem das Teufelchen die Überhand gewinnt. Glaube ich.
Zumindest phasenweise.
Wenn du dir das Jobangebot ausredest, dann tust du das bestimmt nicht ohne Grund. Es ist nämlich nicht genau das, was du dir vorstellst und das andere würde besser passen.
Du weißt das, und dein Teufelchen auch. Nur das Engelchen fragt sich, ob man in so einer Situation überhaupt Ansprüche stellen darf. 
kipet // September 3, 2007 um 8:50 Uhr vormittags
*gg* sisou, ich frage mich, ob du auch so ein engelchen-teufelchen in dir hast, weil du beide so gut verstehst!
aber wahrscheinlich hat jeder mensch ein bisschen was von “einem” engelchen-teufelchen in sich.
ich frage mein “engelchen” aber ernsthaft: warum sollte ich - trotz arbeitslosigkeit - keine ansprüche stellen? wenigsten ein paar klitzekleine ansprüche? wenn ich einen job annehme, in dem ich unglücklich bin, ist es doch nur eine frage der zeit, bis ich das handtuch schmeiße, oder?
andererseits die angst eine chance zu verpassen (auch wenn sie nicht 100 pro meinen wünschen entspricht) ist sehr wohl vorhanden …
Sisou // September 3, 2007 um 4:32 Uhr nachmittags
*lach* In mir tobt ein täglicher Kampf zwischen den beiden. Das kann ich dir sagen.
Und du hast es so gut erklärt, dass ich da gar nichts mehr hinzufügen mag. Ich stelle immer noch einige Ansprüche (tja, warum eigentlich?!) und hab trotzdem Angst, eine gute Chance zu verpassen.
Hm… manchmal glaube ich fast, dass man besser dran ist, wenn man blöde ist. Dann kann man nicht soviel nachdenken.
*g* Aber das ist keine wirkliche Alternative.
kipet // September 3, 2007 um 7:44 Uhr nachmittags
*lol* na denne - willkommen im bengelchen-club!
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