dank meiner mittlerweile reichlichen erfahrung an erhaltenen bewerbungsabsagen wird ab heute auf meinem weblog tagebuch einer (pseudo)arbeitslosen die erste hitlist der üblichen absageformulierungen erstellt. jeder, der einen beitrag hierzu leisten will und/oder kann ist herzlichst dazu eingeladen seinen sermon hinzu zu fügen!
unumstritten auf platz 1 ist die formulierung „… die stelle wurde leider schon an einen anderen kandidaten vergeben“.
kritikpunkt: schwammig.
pluspunkt: kann man akzeptieren.
aber achtung! diese formulierung sollte man unterlassen, wenn man in der gleichen woche und in der woche darauf in der gleichen zeitung das gleiche inserat für den gleichen job schaltet. a blede g’schicht. der abgewiesene arbeitssuchende fühlt sich leicht gefrotzelt, ist wütend. eine absage ein bisschen näher an der wahrheit wäre vielleicht im ersten moment etwas hart zu verdauen, bringt aber am ende dem bewerber doch mehr.
dicht gefolgt vom äußerst beliebten absage-sermon no. 2: „… sie entsprechen leider nicht dem anforderungsprofil.“
pluspunkt: hart, aber ehrlich gegenüber dem bewerber.
aber achtung! wenn man bei der stellenausschreibung einen wichtigen punkt auslässt, und der bewerber bis auf eben jenen ausgelassenen punkt dem anforderungsprofil der höchsteigenen stellenausschreibung entspricht, sollte man sich wirklich eine andere ausrede einfallen lassen.
ganz besonders gern mag ich formulierung no. 3: „… leider haben sich auf unser inserat hin so viele bewerber gemeldet, dass wir sie nicht mehr zu einem gespräch einladen können …“
kritikpunkt: wieso „leider“? – kann man denn zuviele bewerber überhaupt haben?
plus- und kritikpunkt: war der bewerber NICHT interessant genug um eine anstellung in einem unternehmen zu ergattern, ist diese absage sehr sensibel formuliert, trotzdem aber nicht ehrlich genug.
gern genutzt ist auch folgende absage-formulierung: „… leider müssen wir ihnen mitteilen, dass ihre bewerbung in bezug auf die von uns ausgeschriebene stelle nicht in die engere wahl gekommen ist. wir wünschen ihnen für ihre berufliche zukunft viel erfolg …“
kann man eigentlich nicht wirklich kritisieren. nur wenn man es ständig liest, frustet es schon sehr.
oder jene nette absage: „… aufgrund des großen andrangs können wir momentan keine weitere bewerber zu gesprächen einladen. sollte sich noch was ergeben, melden wir uns wieder bei ihnen …“
ehrlich: glaubt denn irgendwer, dass diese menschen sich WIRKLICH noch einmal melden werden?
kurz und bündig jene absage: „leider schon vergeben. mfg xxx“
hat doch was, oder nicht?
im grunde genommen muss man den bossen, oder den personalchefs, besser deren sekretärinnen – uuups: assistentinnen – schon mal danken, weil sie sich immerhin die mühe gemacht haben auf eine bewerbung zu antworten. wenn ich denke, wie viele motivationsschreiben ich schon voll motiviert in den äther geschickt habe und darauf kam nicht einmal ein „leider nix. mfg yy“, das frustet sehr. wie kann ein arbeitsuchender da noch motivation aufbringen? beginnt das wort „motivationsschreiben“ nicht schon vor lauter hohn zu triefen, tropfen und zu spotzen?
wie gesgat, liebe leser, lasst uns alle daran teil haben, mit welchen bewerbungsabsagenformulierungen ihr schon abgespeist wurdet – man fühlt sich dann nicht so allein im eiskalten universum der jobsuche.



15 Antworten bis hierher ↓
Karotte // Dezember 13, 2007 um 11:55 |
da kannste ja schon froh sein, wennste überhaupt ne absage kriegst. meine schrägste absage war: „das ist nicht ihr ernst.“ *gg*
kipet // Dezember 13, 2007 um 4:35 |
wow … in welchem zusammenhang stand diese absage?
sisou // Dezember 15, 2007 um 6:23 |
*ächz* Dazu würde ich ja ausnahmsweise mal am liebsten gar nix sagen können. Aber ich kann auch was beisteuern.
Standardspruch unter fast allen Bewerbungsabsagen:
„Wir haben uns leider für einen anderen Bewerber entschieden. Sehen Sie diese Absage bitte nicht als Abwertung Ihrer Person oder Ihrer Qualifikation… bla…bla…blaaaa… Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute.“
Auch gerne geschrieben auf Stellen, bei denen ICH abgesagt habe = meine Bewerbung zurückgzogen habe:
“ Leider konnten wir Sie bei der Vergabe der Stelle nicht berücksichtigen. Zu unserer Entlastung senden wir Ihnen die Bewerbungsunterlagen zurück…“
Und genau wenn so ein Brieflein im Kasten lag, war ich manchmal kurz davor, das Telefon in die Hand zu nehmen, dort anzurufen und zu fragen ob diese Holzköpfe vergessen hätten, wer denn hier wem abgesagt hat.
Hat was mit dem bisschen Stolz zu tun, welchen man auch in dieser Situation nicht gerne verlieren möcht.
kipet // Dezember 16, 2007 um 10:23 |
ich frage mich wirklich, ob man diese aussagelosen blabla-floskeln irgendwo in einem duden erlesen kann. sie sind oft so ohne hirn formuliert, dass man sich als abgewiesener bewerber schwer tut, einen sinn hinter dem geschwafel zu finden – bzw. einen zusammenhang zu dem, was man in seinem motivationsschreiben geschrieben hat.
deine absage an eine firma find ich originell, sisou. gefällt mir! war sicherlich ein schock für den personal-meschen dort, weil er so zusammenhanglos darauf geantwortet hat!
ich denke mir, dass die personal-menschen sich in den ersten zwei-drei zeilen dazu entschließen einen bewerber in die engere wahl zu nehmen oder nich, und sich den rest des motivationsschreibens gar nicht erst langmächtig durchlesen. im grunde gewinnt oder verliert der bewerber in den ersten paar zeilen.
ist schon ein recht allmächtiges gehabe, wenn es denn so vonstatten geht …
Karotte // Dezember 17, 2007 um 12:30 |
ok … geb’s zu … ich hab zuviel kohle verlangt!
Karotte // Dezember 17, 2007 um 12:31 |
@sisou: aber deine absage an einen boss fand ich auch ziemlich gelungen! *lol*
kipet // Dezember 18, 2007 um 11:18 |
wenn man als österreichische abrbeitslose einem jobangebot absagt, kriegt man troubles mit dem AMS. aber manchmal juckt es einem wirklich im finger unverschämten jobangeboten (wie zb: 38-stunden-job, freier dienstnehmer-vertrag, SA und SO-dienste mgl., um satte 1200 euro brutto) eine absage zu erteilen!
Cora // Februar 28, 2008 um 1:14 |
Meine beste Bewerbungsabsagenformulierung, die ich je bekommen habe war: leider entspricht Ihr Foto nicht unseren Anforderungen …
Ich frage laut: „HÄH?“
kipet // März 1, 2008 um 12:18 |
das gibt’s doch nicht?! echt deftig! das ist ja schon fast eine beleidigung! wofür hast du dich denn beworben?!
Cora // März 6, 2008 um 8:41 |
Ich habe mich damals um einen Posten an einem Empfangsschalter beworben. Mein Gott, ich weiß schon, dass ich keine Pam Anderson bin, aber sooo mausig schaue ich auch wieder nicht aus! Diese Absage war schon ein Schlag in die Magengrube …
kipet // März 6, 2008 um 7:38 |
ich bin ehrlich … platt! und sprachlos …
Flocke von Kroetengruen // September 17, 2008 um 1:08 |
Schönster Absagetext, den ich mal bekommen habe:
„Für die ausgeschriebene Stelle sind Sie leider überqualifiziert.“
Dümmste, leider nur mündliche Absage:
„Sie passen nicht in unseren Laden. Sie sind zu hässlich!“
Lass Dich nicht unterkriegen ind diesen harten Zeiten
kipet // September 17, 2008 um 2:54 |
@Flocke von Kroetengruen: Willkommen auf meinem Weblog! Übrigens: süßes Bildchen!
Also die Geschichte mit der Überqualifikation kann ich seit gestern auch abhaken. Mein „Danke-Du-nicht“-Absagetext klang so ähnlich wie der den Du zu hören bekommen hast!
Aber die Geschichte mit „… zu hässlich“, die wäre ja fast reif fürs Arbeitsgericht. So eine Frechheit! In solchen Situationen fehlen einem sicherlich immer die passenden Antworten, was? Also Menschen gibt’s … *kopfschüttel*
Danke – und Du lass Dich auch nicht unterkriegen bei Deiner Jobsuche (solltest Du noch suchen)!
LG Kipet
Mrs. Karibale // September 24, 2009 um 12:28 |
Ich bin mir mehr als sicher, dass es irgendwo ein Buch Namens „Richtig Absagen schreiben für Fortgeschrittene“ gibt, denn die Floskeln, die hier genannt wurden, kenn ich teilweise 1:1 auch. Aber die Absagen mit „zu hässlich“ usw. sind ja echt zu hart … unglaublich!
kipet // September 24, 2009 um 12:37 |
Hi Mrs. Karibale, willkommen auf meinem Weblog!
Es ist schon beinahe erschütternd wie man mit Bewerbern umgeht. Einerseits will ich ja die Warheit wissen, wieso ich wieder ein NEIN bekomme und diese 0-8-15-Absagen sagen genau nix aus (wenn ich bedenke, wieviel Herzblut ich in manche Bewerbungsschreiben reingelegt habe, die somit wirklich etwas aussagten …). Aber muss man gleich beleidigend werden? Eigentlich sollte man gegen solche Bewerbungsabsagen klagen … Immerhin hat man’s ja schwarz auf weiß …
LG Kipet