tagebuch einer (pseudo)arbeitslosen

berufliches hamsterrad

April 14, 2008 · 10 Kommentare

der arbeitende mensch weiß wie sich das leben eines hamsters anfühlt  …

… genau: ein hamster. dieses niedliche, kleine tierchen. mausgroß, mit schwarzen knopfaugen und einer süßen schnofelschnauze. eines, das des nächtens in juniors oder puppileinchens kinderzimmer sein unwesen treibt … nämlich jenes eines im hamsterrad rotierenden winzlings, und wenn “kind” pech hat, rattert das hamsterrad nacht für nacht für nacht … und quietscht nacht für nacht für nacht.

der hamster kann seinem käfig nicht entkommen. vielleicht hat er glück und er hat ein nettes besitzerchen, das sich wirklich mit ihm beschäftigt. ihn aus seinem käfig herausnimmt, ihn streichelt und kost. aus dank vergisst der hamster, dass pampers in seiner größe noch nicht existieren und nässt sein menschchen gründlich ein. doch in der nacht gibt’s kein entkommen. der hamster dreht seine runden im hamsterrad.

leider könnte man oft seinen berufsalltag mit dem eines hamsterlebens vergleichen.

frühmorgens aufstehen - auch wenn man am liebsten noch ein paar weitere runden in der traumarena drehen will. waschen, anziehen, frühstücken, frau katz das bauchi kraulen, in einen überfüllten straßenbahnwagon einsteigen, sich durch die menschen zwängen, weil es nirgendwo einen stehplatz gibt. ellenbogen in die seite bekommen, weil der straßenbahnfahrer sein gefährt ein bisschen zu temperamentvoll in die kurve legt und das fahrgastvolk sich dank der fliehkraft nur durch knuffe und tritte gegen den stehnachbarn halbwegs aufrecht halten kann …

hat man die allmorgendliche nervenbelastung “straßenbahn” erfolgreich absolviert, kommt der nächste schritt: der gang in die firma. die lieben kollegen. ein paar grüßen freundlich. einer ein bisschen bärbeißig “red mi net an!”, was ihn schon fast sehr sympathisch macht, weil man ja selbst auch nicht grad ein morgendlicher sonnenschein ist. schlimm sind aber die supergut gelaunten kollegen, die schon vor neun uhr mit einem fröhlichen grinsen im gesicht des weges kommen. uah! *beutelbibberschüttelbrrrrrrrr*

und dann überschreitet der arbeitende mensch die zielgerade: er betritt sein persönliches reich, das büro oder das berufliche hamsterrad. die tretmühle. ich werfe den computer an, die ersten anrufe trudeln ein. ich muss nett bleiben, weil ich ja die kunden nicht verkraulen darf. ja, ich morgenmuffel muss nett bleiben, wohingegen sich die anrufer oft kein blatt vor den mund nehmen. da kriegt man die tollsten schimpfnamen ins ohr gebrüllt. der sager “sie beschweren sich an der falschen stelle” gilt nicht. kommt gar nicht an - dringt nicht durch den wutschleier des anrufenden. der kunde will seinen ärger und frust loslassen.

das berufliche hamsterrad dreht sich weiter. lesen, redigieren, lesen, schreiben, lesen, recherchieren, redigieren, schreiben. mittagspause. was essen wir heute? weiß nicht. wer geht das “weiß-nicht” holen? weiß nicht. irgendwer geht dann irgendwas irgendwo holen. wir schlingen das essen runter, surfen nebenbei, kriegen kundenanrufe. danach geht es weiter: lesen, redigieren, lesen, recherchieren, schreiben, lesen …

der kopf brummt.
der abend kommt.
ich entkomme meinem hamsterrad.
endlich.

ich steige in die bim ein, quetsche mich zwischen manchmal wirklich übel riechende leiber hindurch. warte auf die termperamentskurve, bin schon beinahe enttäuscht, wenn kein ellenbogen in meiner seite landet (unterbricht ja mein hamsterrad … ;-) ). kaufe rasch ein, schließe meine wohnungstür auf, kraule frau katz das bäuchlein, koche, esse, spiele mit frau katz, hocke mich vor den fernseher und gehe spät nächtens schlafen.

ich entschlummere ins land der träume mit dem wissen, dass ich den gleichen gerade hinter mich gebrachten tag morgen wieder vor mir habe.

manchmal könnte man einen hamster schon beinahe beneiden …

Kategorien: arbeitendes

10 Antworten bis hierher ↓

  • Frau Weitergelesen // April 15, 2008 um 5:30 Uhr vormittags

    Da schwingt Ernüchterung durch jede deiner Zeilen. :-(

    Traurig ist, dass es tatsächlich meist so ist. Zumindest kann ich mich an meine bisherigen beruflichen Stationen erinnern, in denen der Ablauf ähnlich war. Nach der Euphorie, dass gerade ich die Stelle bekommen hatte, folgte der Absturz - ebenso wie bei dir. :?

    Selbst jetzt, wo ich mir ja alles selber einteilen kann, besucht mich ab und an der Frust, weil der Tagesablauf relativ geleichförmig abläuft…

  • kipet // April 15, 2008 um 11:08 Uhr vormittags

    leider sind jene jobs, die genügend abwechslung bieten um nicht schnell langweilig zu werden (sprich, wenn sich das gefühl eines hamsterrad-jobs erst später einstellt), dünn gesät. klar, man kriegt den job, weil man etwas, was die firma benötigt, (gut) kann. aber ein bisschen mehr an flexibiliät die jobgestaltung betreffend, und die langeweile würde sich beim hamster - äh: angestellten - nicht so schnell einstellen.

  • Sonnenschein // April 16, 2008 um 11:48 Uhr vormittags

    manche firmen haben oder hatten zumindest mal so etwas wie eine job-rotation. da kann man dieser tretmühle doch etwas entkommen.

  • kipet // April 16, 2008 um 3:26 Uhr nachmittags

    leider ist das heute nicht so - oder zumindest nicht in den firmen, die ich kenne. da sind abteilungswechsel immer sehr ungern gesehen.

  • Sonnenschein // April 17, 2008 um 7:00 Uhr vormittags

    es muss nichtgleich ein “abteilungswechsel” sein.
    auch innerhalb einer abteilung kann es unterschiedliche jobs geben.
    und gerade für eine “abteilung” kann es auch sehr hilfreich sein, wenn innerhalb jeder weiss, wie der job des anderen geht. sollte mal jemand urlaub machen, krank sein, etc. ist nicht wirklich ein “loch” zu spüren.

  • coltaine // April 29, 2008 um 10:37 Uhr vormittags

    Kein Wunder. Ich vermute, jeder hat Angst, bei seinem nächsten Job einen “Verliererposten” zu bekommen und von dort nicht mehr wegzukönnen. Insofern wird alles eifersüchtig bewacht, was einen - möglicherweise - weiterbringen könnte.
    Die nächste Hürde sind die Ansprüche am neuen Platz. Man möchte doch bitte Erfahrung mitbringen. Möglichst eine lebenslange ^^
    Der übliche Anspruch: 20, studiert, Dipl.-Irgendwas, Stundenlohn 1,50, gutaussehend, ungebunden.
    Moderner Sklave, der auch noch Freude dran hat.
    Ich glaub, manche Chefetage liegt soweit in der Luft, dass der Mangel ebenderselben zu Hirnschädigungen ganz übler Art führt :p

  • Karotte // April 29, 2008 um 11:45 Uhr vormittags

    *lol*

    Vor allem der letzte Satz — sensationell!

  • kipet // Mai 2, 2008 um 9:52 Uhr vormittags

    was bleibt?
    selbständigkeit!

  • coltaine // Mai 3, 2008 um 7:35 Uhr vormittags

    was ist dafür nötig? Geld oder Kredit sowie die gute Idee. Letzteres mag umsetzbar sein, bei den ersten beiden ist man auf das Wohlwollen der Banken angewiesen. Im Grundsatz hast du aber recht.

  • kipet // Mai 3, 2008 um 8:44 Uhr vormittags

    die idee, das geld und die chutzpe.

    wahrscheinlich wird es daraus hinaus laufen, dass die arbeitswelt aus unendlich vielen kleinen ein-man/frau-unternehmen besteht, die sich gegenseitig den markt streitig machen.

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