tagebuch einer (pseudo)arbeitslosen

Wo sind die arbeitslosen Singles?

Mai 4, 2009 · 25 Kommentare

Die Arbeitslosenzahlen steigen und steigen – ein Ende scheint nicht in Sicht. Doch eine Gruppe der Arbeitslosen fällt in der Berichterstattung meistens durch den Rost: Die arbeitslosen Singles!

Arbeitslosigkeit trifft jede Gesellschaftsschicht. Arm und Reich verliert derzeit seine Jobs. Männlich oder weiblich. Familie oder … und nun kommt’s: Auch Singles trifft der Arbeitslosenhammer. Überraschender weise liest man über arbeitslose Singles kaum in den Zeitschriften. 

Ist Euch das eigentlich schon aufgefallen? Ob single Singles oder Singles mit Kind[ern]. Weder die eine Lebensweise noch die andere scheint in den Medien existent zu sein.

Allen geht’s schlecht, vor allem den Familien mit Kindern. Aber im Normfall versteht man unter FAMILIE Vater, Mutter, Kind[er]. Verliert ein Elternteil den Job, ist es schlimm und furchtbar tragisch. Aber bei allem Elend ist ein Partner da, der immer noch einen Job hat und die Arbeitslosigkeit des Anderen finanziell mittragen kann. Klar, diese Lebensform hat das Nachsehen beim AMS: Ist es aus mit den Arbeitslosengeldern, gibt es keine Notstandsunterstützung mehr. 

Überraschender weise  kommen mir immer mehr „Nur-Hausfrauen“ unter, wo der Partner das Geld verdient. Ist das aber nicht ähnlich einer Familienkonstellation, in der ein Partner ohne Job dasteht?

Doch wie ergeht es Singles, die plötzlich vor dem arbeitslosen Nichts stehen?
Und wie ergeht es erst Singles mit Kind[ern], die von heut auf morgen ohne Job sind? 

Hier gibt es keinen Partner, der den arbeitslosen Single auffängt und die finanzielle Last eine Zeit lang allein tragen kann.

Liebe Medien, bitte nehmt zur Kenntnis: Arbeitslose Singles sind ebefalls armutsgefährdet, wahrscheinlich armutsgefährdeter als Familien, wo der Arbeitslosenteufel zugeschlagen hat, aber immer noch der Partner verdient. Wieso liest man über diese Arbeitslosengruppe nirgendwo in den Zeitungen?

Tatsache ist, das Arbeitslosengeld – und vor allem das Notstandsgeld – reicht vorn und hinten nicht – ob mit Familie/Partner oder nicht. 

Mich würde von Euch interessieren, liebe arbeitslose Singles, wie Ihr mit Eurer Situation umgeht? Fühlt Ihr Euch von der Allgemeinheit und den Medien übergangen? Fühlt Ihr Euch benachteiligt? Und wie schupft Ihr Singles mit Kind[ern] Euer Leben mit dem Notstands- und/oder Arbeitslosengeld?

Kategorien: arbeitendes · arbeitsloses · working poor

25 Antworten bis hierher ↓

  • Susa // Mai 4, 2009 um 7:02 | Antworten

    Hallo Kipet, ich bin selbst arbeitslos und alleinerziehende Mutter einer Tochter. Wir bekommen vom Kindsvater kein Geld und ich bekomme seit einem Jahr keinen Job. Jeden Cent muss ich dreimal umdrehen, neue Kleidung habe ich schon lange keine mehr kaufen können.

    Es stimmt, so richtig vertreten sind arbeitslose Singles in den Medien nicht. Allerdings fallen wir in die „armutgefährdete Arbeitslosenklientel mit Kind“ hinein. Über uns wird geschrieben.

    Aber darüber lesen allein macht den Bauch auch nicht satt. Ich hoffe, dass ich bald wieder einen Job finde, sonst haben wir nichts zu lachen!

    LG Susa

    • kipet // Mai 6, 2009 um 8:09 | Antworten

      Hallo Susa, willkommen auf meinem Weblog!

      Arbeitslos – Kind – Single. Du bist zu bewundern, denn wenn ich Deinen Beitrag lese habe ich das Gefühl, dass Du den Kopf nicht in den Sand steckst und Dein Leben meisterst.

      Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du bald wieder einen Job findest. Ist in der heutigen Zeit schwierig, aber das packst Du schon!

      Alles Liebe, Kipet

  • Sonnenschein // Mai 5, 2009 um 5:48 | Antworten

    … und dann wollen uns unsere ach so wundervollen und kompetenten politiker und gesinnungsgenossen weiss machen, dass wir zu den reichsten ländern der welt gehören …
    erbärmlich diese typen!!!

    • kipet // Mai 6, 2009 um 8:13 | Antworten

      Wir gehören immer noch zu den reichsten Ländern dieser Erde. Doch die Schere arm-reich klafft eklatant auseinander. Wir haben wenige Hyperreiche, die die Statistiken schon beinahe verfälschen. Und viele in Armut lebende oder armutsgefährdete Menschen. Das Mittel wird immer dünner. Wie lange unser reiches Österreich noch reich sein wird, steht hier ganz offen im Raum und sollte von der Politik endlich realisiert werden.

  • mCkneE // Mai 5, 2009 um 8:41 | Antworten

    heiya, ich bin single, arbeitslos und wundere mich ebenfalls schon die längste zeit warum man uns single-singles unbeachtet lässt. ich bin weder freiwillig single, noch freiwillig ohne kind und falle bei sämtlichen sozialhilfen durch den rost. arbeitslose bekomme ich schon. aber das ist alles, was mir nach 25 jahren steuernzahlungen an unterstützung zusteht …

    • kipet // Mai 6, 2009 um 8:20 | Antworten

      Deftig, mCkneE – aber trotzdem: Willkommen auf meinem Weblog! Danke für Deinen Beitrag und ich wünsche und allen, dass unser Sozialstaat ein Einsehen hat und endlich auch mal was in die Singel-Sigles-Richtung unternimmt!

  • Sonnenschein II // Mai 6, 2009 um 8:02 | Antworten

    Hallo!
    Ich bin arbeitslos, ohne Bezüge vom Arbeitsamt, über 30, wohne bei meinen Eltern (weil kein ALG), weiblich und bin Single. Eigentlich müsste ich in totaler Depression versinken, wenn ich nicht meine Eltern hätte. Ohne sie würde ich in Armut leben!
    Ob ich mich übergangen fühle? Politisch wegen der (fehlenden) Arbeitslosenunterstützung, sozial wegen der gesellschaftlichen Ablehnung meiner Lebensform („Hast Du immer noch keinen Mann?“) und medial wegen mangelnder Berichterstattung über eben solche Lebensformen.

    • kipet // Mai 6, 2009 um 8:32 | Antworten

      Hallo, Sonnenschein II! Willkommen auf meinem Weblog! Und: man kann nie genug Sonnenschein auf dieser Welt haben! ;-)

      Klingt nicht einfach, Deine Situation und ich kenne Deine Problematik durch eine mir sehr liebe Freundin.

      Irrsinnig, denn selbst heute noch zählt man als Frau ohne Mann eben „nur“ als „ohne“. (Als ob frau sich über einen Mann definieren müsste! *augenverdreh*)

      Dass Du keine Arbeitslose bekommst muss sehr schwer sein. Auch das bei den Eltern wohnen, so lieb und toll sie sich verhalten und Dich unterstützen.

      In meinen Augen haben die Medien Geschichten wie die Deine verschlafen. Es gibt mehr Menschen, die in der gleichen Situation stecken wie Du, als jeder auch nur erahnen könnte.

      Ich wünsche Dir viel Kraft, dass Du Dich aus diesem Teufelskreis befreien kannst; Es wird ein Monsterakt, aber es ist zu schaffen!

      Ich würde mich freuen, wenn Du Dich ab und zu meldest und erzählst, wie es Dir geht – allein um Deine Geschichte in den Medien (ist zwar „nur“ ein Blog … aber immerhin ;-) ) zu erzählen!

      Alles Liebe, Kipet

  • Sonnenschein // Mai 7, 2009 um 6:32 | Antworten

    danke, liebe kipet, für das
    „man kann nie genug Sonnenschein auf dieser Welt haben! ;-) “.

    schönen tag noch und liebe grüsse!

  • Guenter // Juli 25, 2009 um 7:52 | Antworten

    Fordert keine Jobs, sondern euer Recht.
    Die Würde des Menschen ist unantastbar, daher ein bedingungsloses Grundeinkommen, jetzt, für Alle.

  • kipet // Juli 26, 2009 um 11:12 | Antworten

    Eine schöne Idee, nur: wer finanziert das?

  • Sonnenschein II // September 23, 2009 um 10:28 | Antworten

    Neuigkeiten gefällig? Es gibt keine! Auszug von zu Hause? Nicht denkbar, weil ich mit dem Wohngeld nur die Miete und Nebenkosten zahlen könnte, nicht aber die Lebensmittel. Minijob? Jede Bewerbung wird mit der Begründung abgelehnt, dass ich ja irgendwann wieder gehe, sobald ich eine Festanstellung bekomme (ja wann denn?). Somit ist nicht einmal ein Minimaleinkommen vorhanden. Soziales Leben? Nur mit Familie und verständnisvollen Freunden. Ich traue mich nicht auf ein Ehemaligentreffen zu gehen, denn ich kann keine Beweisfotos von meinen Erfolgen vorweisen. Beziehungsleben? Um ehrlich zu sein, ist mir das momentan – dank meiner familiären Unterstützung wurscht – denn die Arbeitslosigkeit ist ein weitaus grösseres Problem als die Beziehungslosigkeit!
    Fazit: Seit 2 Jahren arbeitslos und keine Aussicht auf Besserung, dafür ein Gefühl des totalen (gesellschaftlichen) Versagens.

    • kipet // September 24, 2009 um 9:57 | Antworten

      Lieber Sonnenschein II,

      Klingt ja alles gar nicht gut. Dir geht’s sehr schlecht – und Kunststück, wenn ich so lese, was Du schreibst!

      Eine Sackgasse, in der Du Dich befindest – und da tröstet es wenig, dass es leider vielen Menschen ähnlich geht.

      In Zeiten der Rezession (und die ist, meiner Meinung nach, noch lang nicht vorbei – im Gegenteil) einen Job zu finden ist noch schwerer als in „normalen“ Wirtschaftszeiten. Man kriegt, wenn überhaupt, nur Minijobs angeboten, die nichts bringen – außer Probleme (wie ich selbst erfahren durfte). Dem natürlich vorausgesetzt, dass man einen Minijob überhaupt findet und man genommen wird. Festanstellungen scheinen heute leider zum absoluten NONO in der Businesswelt geworden zu sein. Man hat eine kleine Anzahl an Fixangestellten, und der Rest wird zugekauft. Wie sich die „Großkopferten“ so ein Besserwerden der Wirtschaftslage vorstellen können ist mir ein Rätsel! Woher Geld für wirtschaftliche Ausgaben (schlichtweges Shoppen) nehmen, wenn man keins hat, weil man es nicht verdienen kann, weil einem die Möglichkeit dazu nicht gegeben wird. Es liegt nicht daran, dass der Arbeitslose NICHT WILL, sondern daran, dass es ihm nicht gestattet wird.

      Und stimmt, wenn man arbeitslos ist, ist das Problem SINGLE keines.

      Fühl Dich bitte nicht als gesellschaftlicher Versager. Ich kann Dir nur einen Tipp geben: setz Dich einmal hin, schreib auf einem Zettel was Du kannst und was Du machen willst. Damit siehst Du vielleicht einen Weg. Du siehst, was Dir vielleicht an Ausbildung zu Deinem Traumjob fehlt. Mit diesem Zettel geh zu Deinem AMS-Menschen. Leg ihm den vor, sag, Du bist verzweifelt und Du willst, dass er Dir diesen Jobwunsch ermöglicht, indem er Dich zu dieser und dieser und dieser Schulung schickt. Der AMS-Mensch will Deine Akte ja auch von seinem Schreibtisch haben. Lass Dir keine Kurse aufschwatzen, die Du für Deinen Job nicht brauchst. Wichtig ist Dein Ziel, nicht das Ziel des AMS-Menschen Dich für eine Zeit lang vom Tisch zu haben … Wenn der AMS-Mensch nicht auf Deine Überlegungen eingeht, geh zu seinem Vorgsetzten und schildere ihm Deine Lage und Dein Mitmachen Dich wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Er muss sehen (vorausgesetzt er WILL sehen), dass Du einen Job haben willst, dass Dich Dein momentanes Dasein anstinkt …

      Und bedenke eines: DU bist KEIN BITTSTELLER beim Arbeitsamt! Das AMT arbeitet für uns Steuerzahler. Geh nicht klein hin, geh stolz zu Deinem Termin, erkläre Dein Anliegen und wenn es nicht bei Deinem direkten Betreuer klappt, geh zum Schmied – und nicht zum Schmiedel … ;-)

      Ich weiß nicht, ob Dir meine Antwort ein bisserl hilft, ich hoffe es und drücke Dir ganz fest die Daumen, dass es Dir bald wieder besser geht. Es würde mich freuen, wenn Du Dich wieder meldest und schreibst, wie es Dir geht!

      Alles Liebe, Kipet

    • kipet // September 24, 2009 um 10:11 | Antworten

      Noch etwas, hab das jetzt in Deinem vorigen Kommentar nochmals nachgelesen: Die kriegst kein Arbeitslosengeld? Tschuldigung wenn ich jetzt frage: aber wie gibt’s denn das? Und wie schaut’s mit der Arbeitslosenbetreuung aus? Kannst Du die in Anspruch nehmen wenn du keine Gelder beziehst?

      Bitte misdeute meine Fragen nicht als Neugier, ich habe nur bislang angenommen, dass jeder Mensch das Recht auf Notstandsgeldbezüge hat (oder Hartz IV) …

  • Sonnenschein II // September 24, 2009 um 11:14 | Antworten

    Hallo Kipet!
    Eine Antwort auf Deine zwei letzten Kommentare:
    Mein Problem ist, dass ich bereits eine vom Arbeitsamt bezahlte Fortbildung absolviert habe! Ich muss dann ein ganzes Jahr warten bis wieder eine Fortbildungsmaßnahme gezahlt wird, diese 12 Monate sind bei mir aber noch nicht abgelaufen. Selbst mit der Fortbildung war es für mich bisher nicht möglich eine Stelle zu finden – was den Frustrationsfaktor um einiges erhöht!
    Meine Situation wäre um einiges erträglicher, wenn ich Arbeitslosengeld bekommen würde! Das ist nicht der Fall, weil ich noch nie gearbeitet habe. Ich bin seit Beendigung meines Studiums arbeitslos und habe damit noch nie Einkommen gehabt. Ich könnte Hartz IV beantragen, aber bei dem Verdienst meines Vaters würde sich das Amt das Geld wieder von ihm einholen. Da kann ich gleich auf seine Kosten leben.
    Meine Eltern leiden verständlicherweise mit mir. Erst zahlen sie mir ein Studium (auch mit Semestergebühren von 500€ im halben Jahr) und dann müssen sie mit ansehen, wie ich auf dem Arbeitsmarkt untergehe. Sie sind dazu übergegangen mich mit Fragen nach „Beziehung“ und „Heirat“ zu konfrontieren. Dann wären sie mich los und jemand anders müsste für mich aufkommen. Ein nachvollziehbarer Gedankengang.

    • kipet // September 24, 2009 um 12:28 | Antworten

      Oh Mann, das ist ja wirklich schlimm. Ich versteh jetzt Dein Problem mit den Hartz IV-Geldern. Das ist eine extrem vertrackte Geschichte. Die Geschichte mit den Schulungen hat ja natürlich auch immer einen Haken: Du hast zwar die Schulung gemacht, aber willst Du damit arbeiten und bewirbst Dich an entsprechender Stelle, heißt es immer: ERFAHRUNGEN … Doch woher Erfahrung nehmen, wenn keiner einem eine Chance dazu gibt?

      Trotzdem nehm ich nochmals das Thema „Schulungen“ auf, denn ich denke, dass die richtige Schulung immer noch mehr Chancen auf einen Arbeitsplatz birgt: In Österreich gibt es das WAFF (www.waff.at), das ist ein Arbeitnehmerinnen-Förderungsfonds, der speziell Frauen (und nur Frauen) den Einstieg und Wiedereinstieg in den Beruf erleichtert, indem er Schulungen fördert. Gibt es so etwas in D nicht?

      Die Situation bei Dir zu Hause ist alles andere als lustig. Würdest Du für einen Job auch wegziehen – aus Deinem Umkreis, zB. in einE andereS Stadt/Land? Das ist ja ein psychischer Stress zu Hause, den kaum jemand aushalten kann. Verständlich, natürlich, die Lage ist nicht einfach, weder für Dich noch für Deine Eltern …

      Darf ich fragen was Du studiert hast?

  • Minijob // Oktober 16, 2009 um 1:51 | Antworten

    @ Sonnenschein

    Deine Situation ist wirklich nicht sehr einfach.
    Vielleicht solltest du dich in einer Branche umsehen, in der sowieso große Fluktuation herrscht (z.B. die Systemgastronomie) um dort für eine Weile als Minijobber oder sogar Vollzeitkraft unterzukommen.
    Aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis nach einem Job zu suchen ist immer leichter und nicht ganz so frustrierend.

    Wichtig ist vor allem nicht aufzugeben. Bewirb dich weiter und versuche – trotz Frustration – alles daran zu setzen einen passenden Job zu bekommen.

    Ganz viel Glück!

  • Sonnenschein II // Oktober 16, 2009 um 7:08 | Antworten

    Zum Thema „Minijob“:
    Wenn ich nicht gerade als Kriegerin auftrete, darf ich mir folgende Antworten anhören: „Ach, arbeitslos? Dann muss ich ja damit rechnen, dass Sie sich weiterhin auf dem Markt bewerben und wieder weg sind, sobald Sie was gefunden haben. Tut mir leid, aber ich suche was für längerfristig!“
    Mein letzter Versuch als Vollzeitkraft zu arbeiten ist jetzt eine Woche her und scheiterte nach der Probewoche an einem ähnlichen Grund.
    Fazit: Es ist frustrierend und jetzt gerade habe ich einfach keine Kraft mehr weiter zu machen!

  • kipet // Oktober 16, 2009 um 7:46 | Antworten

    Leider kommt das allzu oft vor: bewirbt man sich auf einen Minijob, kriegt man genau diese Antwort aber nicht nur einmal ins Gesicht geschleudert.

    Andererseits, was erwarten sich Menschen, die Minijobs anbieten? Jeder, der einen Minijob annimmt nimmt ihn nicht für immer an – jeder Minijobber geht in diese Arbeit auf ZEIT. Wieso dann nicht Arbeitslose aufnnehmen?

    Ich kann verstehen, dass Sonnenschein II sich nicht mehr raus sieht. Du kommst Dir vor, als rennst Du ständig gegen Wände… Ich kenne dieses Gefühl leider auch zu Genüge, aber eines habe ich auch gelernt: das Lichtlein „Job“ am Ende des Tunnels kommt, genau dann, wenn man es gar nicht mehr erwartet!

    Es ist schlimm, wenn keniner einem eine Chance gibt. Ich hoffe und wünsche Dir, dass Du endlich Deinen Traumjob findest, Sonnenschein II. Bitte halte uns am Laufenden!

    Ganz lieben Gruß, Kipet

  • Sonnenschein II // Oktober 27, 2009 um 2:09 | Antworten

    Habe heute diesen Artikel gefunden:
    http://magazine.web.de/de/themen/beruf/karriere/9186902-Krise-behindert-Familiengruendung.html

    Wer denkt schon bei Arbeitslosigkeit an Beziehung oder gar Familiengründung? (Im übrigen, ich bin aus dem Westen…)

  • kipet // Oktober 27, 2009 um 5:12 | Antworten

    Lieber Sonnenschein II.,

    darüber hab ich auch bereits gelesen. Und stimmt, wer denkt in so einer Situation schon an die Gründung einer Familie? Da plagen den Arbeitslosen andere Probleme als die Frage „woll’n ma lieber 1 oder 2?“

    Das Leben als ArbeitsloseR ist dermaßen aus den Fugen geraten, dass man sich – und sorry to say – mit dem Problem „Kind(er)“ gar nicht erst belasten will. Denn das wäre es – eine Belastung – in finanzieller und sozialer Hinsicht.

    Manche Menschen sehen aber – und auch hier werde ich sicherlich eine am Deckl bekommen – das Vielkinderdasein als Ausweg aus der finanziellen Misere. Finde ich nicht richtig. Vor allem rächt sich diese Einstellung, spätestens, wenn man als Eltern dem Kind ein Vorbild geben sollte …

    Danke für Deinen Beitrag, Sonnenschein II.!

    LG Kipet

  • zenon // November 12, 2009 um 8:54 | Antworten

    Hallo,

    ich habe interessiert mitgelesen und kann euch gut verstehen, insb. Sonnenschein II spricht das aus, was viele nicht auszusprechen wagen. Ein paar Gedanken meinerseits noch dazu: Arbeitslosigkeit wird in den Medien leider sehr negativ kommuniziert, obwohl davor doch niemand mehr gefeit ist. So herrscht doch schon der gewisse Unterton: Arbeitslose sind selbst schuld! Selbige lastet auf den Betroffenen wie ein Stigma und mit der zunehmenden Dauer nagt es am Glauben an die eigene Person.

    Auch stört es, dass Arbeitslose fast nur diejenigen sind, die nach langer Tätigkeit aus dem Job fliegen oder eben ohne Schulabschluß und Plan herumlungern. Das ist auch schlimm und berührt, aber: was ist mit denjenigen, die ausgebildet wurden, die von der Uni gegangen sind und nichts bekommen? Keine Chance zum Einstieg, keine langfristige Perspektive, keine Chance auf ein geregeltes Einkommen und dem Aufbau eines eigenen Lebens (zu dem insb. stabile Partnerschaft & Freundschaften gehören)? Sie haben Geld in ihre Ausbildung investiert, Zeit und Mühe und müssen sich bei Bewerbungsverfahren nich selten übelst abspeisen lassen, von wegen: sie seien nicht ausreichend qualifiziert und es fehle mal an dieser, mal an jener praktischen Erfahrung. Und das noch von Personen, die heutige Bewerbungsverfahren wohl selbst gehörig versemmeln würden! Doch sie sitzen am längeren Hebel, denn: sie haben einen Job. ..sie sind laut Politsprech eben “Leistungsträger“….

    Es entsteht ein Teufelskreis und die Zukunft sieht nicht gut aus, wenn wir nicht den Mut aufbringen, das System zu reformieren: es wird immer darüber gejammert, warum so wenig Kinder, insb. bei gut Ausgebildeten, geboren werden!? Doch wenn wir eine Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt verzeichnen, die auch für die gut Qualifizierten nur noch projektgebunden ist, eine schlechte Bezahlung, Flexibilität (zeitlich wie räumlich) und Leistungsdruck abverlangt, ja schlimmstenfalls Selbstaufgabe- und -verleugnung zur Folge hat, dann KANN etwas nicht stimmen und es verwundert nicht, dass wir a) vergreisen, b) Menschlichkeit auf der Strecke bleibt und c) wir langfristig auch unser politisches und gesellschaftliches System in Gefahr bringen – bedingt durch die wachsende Armut und Entwertung/Prekarisierung der Arbeit sowie fehlender Nachkommen, die mal unsere Renten zahlen…

    Viele Grüße an alle, die dies hier lesen. Der Gedanke eines Grundeinkommens beschäftigt mich mittlerweile auch sehr intensiv: schlimmer als das, was heutzutage passiert, kann es kaum noch kommen.

    zenon

  • kipet // November 15, 2009 um 6:30 | Antworten

    Hi Zenon, danke für Deinen tollen Beitrag. Du sprichst damit sicherlich vielen Menschen – vor allem den Arbeitslosen – aus der Seele.

    Heute ist wirklich niemand mehr vor der Arbeitslosigkeit gefeit. Vom Putzdienstler bis zum Generaldirektor oder Firmenbesitzer.

    Dass da die Politik gefragt ist, ist klar. Aber auch Arbeitgeber müssen zur Verantwortung gezogen werden. Es kann nicht angehen, dass man die Situation von arbeitssuchenden Menschen ausnutzt und sie als Teilzeitjobber anstellt, wo sich am Ende der Job selber als Fulltime-Job herausstellt u.ä. – unbezahlt natürlich. Das ist moderne Sklaverei.

    Ein weiteres Problem: wer würde denn die Höhe eines Grundeinkommens bestimmen? Die Politiker. Leider handelt es sich hierbei um Menschen, die (meistens) keine Ahnung von der Lebensrealität haben. Die nicht wissen, was es heißt, mit 850 Euro netto eine Wohnung, die laufenden Fixkosten zu bezahlen. Geschweige denn mit so wenig Geld eine Familie zu ernähren.

    In den Fragen Arbeitslosigkeit und Lohnbezüge benötigt unsere Gesellschaft dringend ein Umdenken und einen Plan.

    Es kann nicht angehen, dass die angestellte und arbeitende Gesellschaft von Arbeitslosen erwartet hinter sich alle Brücken abzubrechen und irgendwo bei Null neu anzufangen. Mobilität heißt dieses Zauberwort. Denn eine Frage: würden das jene Menschen, die ihren Allerwertesten auf einen feschen Bürosessel platziert haben, ebenfalls tun? Und würden genau diese Menschen auch für einen Mindestlohn, Halbtagsjoblohn etc. arbeiten, einfach, weil sie es MÜSSEN?

  • Sonnenschein II // November 19, 2009 um 7:42 | Antworten

    Zur Zeit bin ich an meinem persönlichen Tiefpunkt angekommen: ich weine jeden Tag, weil ich jeden verdammten Tag mit meiner Situation konfrontiert werde und morgen reiche ich meinen HartzIV-Antrag ein. Tiefer geht es nicht mehr!

  • kipet // November 20, 2009 um 10:11 | Antworten

    Liebe Sonnenschein II,

    Du klingst wirklich arg verzweifelt. Darf ich Dich jetzt mal fragen in welche Richtung Deine Ausbildung/Studium gegangen ist? Vielleicht – und natürlich nur wenn Du willst – hilft ein bisschen Brainstorming, was Du noch so alles machen könntest und eventuell nicht einmal dran gedacht hast, hm? Ich würd Dir wirklich sehr gern helfen …

    Und: sei bitte nicht so verzweifelt! Hartz IV beantragen müssen ist sicherlich nicht schön und kratzt sehr an allem, was einem nur gegen den Strich gehen kann. Aber momentan stecken sehr, sehr viele Menschen in der gleichen Lage – ich weiß, das ist kein Trost. Aber immerhin haben wir Hartz IV – wir in Ö Notstandshilfe. In anderen Ländern (wie zB. UK) kriegt man fast bis gar nichts an Unterstützung.

    Habt Ihr in D vielleicht so etwas wie eine psychologische Beratungsstelle für Arbeitslose? Was hältst Du davon, wenn Du Dich mal mit diesen professionellen Arbeitslosenhelferleins aussprichst, vielleicht haben ja diese Leute eine Idee?

    Und noch eine Frage: Ich weiß, der Schritt ist hart, aber hast Du Dich auch schon mal im Ausland (Ö zB.) beworben?

    Bitte sieh mich jetzt nicht als blauäugig an, ich versuche nur zu helfen …

    Ich denke an Dich und drücke Dir fest die Daumen, damit es endlich bei Dir bergauf geht!

    Alles Liebe, Kipet

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