lang, lang ist’s her als ich folgendes schrieb:
ich bin freigestellt, NOCH nicht arbeitslos – deswegen nenne ich diesen blog „tagebuch einer (pseudo)arbeitslosen“. meine zehnjährige geschichte in einer, für zeiten wie diese, selten kriesensicheren firma hat mit weihnachten 2006 ihr ende gefunden. ohne auch nur das geringste gespür, im gegenteil, eher in einem unheimlich herablassenden ton wurden fünf leute knallhart auf die strasse gesetzt. ich brauchte lange bis ich mich erfangen habe, selbst heute kratzt meine in diesem fall höchsteigene stupidität mein selbstwertgefühl an.
zuerst gibt es eine zusammenfassung der geschehnisse des letzten halben jahres. danach beginnt mein eigentliches tagebuch. ich würde mich freuen, wenn viele leute es lesen, wenn viele ihre meinung hinzu fügen, oder aber auch ihre eigene geschichte erzählen.
seitdem ist viel passiert.
bewerbungsmails:
ich habe bewerbungsmail raus geschickt … massenhaft. wäre das alles per post passiert, hätte mir die österreichische post AG einen aktienanteil schenken müssen. aus lauter dank. leider sind die antworten auf meine motivationsmails nicht annähernd so zahlreich retour gekommen, wie die meinigen raus gingen. war ein schlag fürs selbstwertgefühl und sich danach wieder für ein neuerliches motivatinsmail zu motivieren grenzt dann schon an eine sportliche höchstleistung!
vorstellungsgespräche:
eine erfahrung für sich. teilweise mit enormen herzklopfen verbunden – beinahe so, als würde man eine diplomprüfung an der uni ablegen. ich hatte im großen und ganzen großes glück mit den mich interviewenden menschen und ich bin jedes mal ein bisschen gestärkter aus diesen vorstellungsrunden ausgestiegen. dass leider am ende dabei nichts rausgeschaut hat, ist schade, aber c’est la vie!
kleiderfrage und der richtige dresscode:
als verfechterin von guten alten jeans und flipflops stellte sich die frage „was zieh ich beim bewerbungsgespräch an?“ immer wieder aufs neue. auftakeln, antakeln, umadumtakeln und wieder zurück takeln. ergebnis: der (in meinen augen) richtige desscode – hauptsache ordentlich, schön, adrett, sich aber nicht komplett als etwas verkaufen, was man nicht ist – immer ein bisschen ich selbst bleiben.
AMS
eine geschichte für sich, das AMS. wenn man das erste mal zum AMS geht kennt man sich nicht aus. aber keine angst, denn mit dem sich-nicht-auskennen ist man nicht allein. auch die AMS-beamten kennen sich nicht wirklich aus. oder aber sie kennen sich aus – ich imaginiere hier eine geheimen direktive, welche die AMS-menschen befolgen müssen, die besagt: keine infos an arbeitslose. oder zumindest: keine 100% richtige infos an arbeitslose. denn am ende muss der arbeitslose sich vollkommen selbst durch den AMS-dschugel wühlen bis er auch nur annähernd die fragen, die ihm auf der seele brennen, beantwortet bekommt.
auch ist der gang zum AMS stets mit extremen unwohlsein verbunden. wieder und wieder muss man untertänigst unter dem türschlitz am bauch reinkriechen, lächeln, höflich bleiben – auch wenn das AMSige gegenüber nicht gerade in stimmung ist seine miese laune hinter dem berg zu lassen. denn das ist so, mit AMS-menschen: ihre launen sind berechtigt, die der arbeitssuchenden haben gefälligst vor der stets verschlossenen AMS-beamtenzimmertür zu bleiben.
unverständnis
auch das muss der arbeitslose schlucken: unverständnis seitens familie, freunde, fremde und bekannte. die gängige meinung über arbeitslose: faules gesocks, die wollen ja nicht arbeiten … ist in die gehirne der gesellschaft eingebrannt. und sicherlich gibt es eine menge schwarzer schafe, die genau nach diesem credo leben. aber der großteil der arbeitslosen ist nicht gern arbeitslos. leider können menschen, die das glück haben noch nie im leben arbeitslos gewesen zu sein, diese geschichte einfach nicht nachvollziehen. erstaunlich, auf wieviel unverständnis der arbeitslose trifft …
gefühlsmäßige berg-und-talfahrt
der neo-arbeitslose hat mit vielen dingen zu kämpfen – aber vor allem seine gefühlswelt ist in einem großen durcheinander. die selbstzweifel vermindern das selbstwertgefühl. die wut über den verlust des jobs macht aggressiv. das nichtverständnis der umwelt macht traurig. man fühlt sich allein gelassen, missverstanden, unverstanden … so richtig am boden. sich aus diesem LOCH wieder raus zu hanteln ist ein kraftakt sondegrleichen. hoffnungsvoll schickt man ein motivationsschreiben raus, wartet einen tag, wartet zwei tage, wartet eine woche, wartet zwei wochen … und es wird klar: „die wollen mich nicht! aber wieso wollen die mich nicht? was stimmt mit mir nicht, dass NIEMAND mich will?“ und der teufelskreis beginnt von vorn.
fakt ist:
ab 35 jahren sind frauen schwer bis nicht mehr vermittelbar.
immer weniger indianer verrichten immer mehr arbeit, die arbeitswelt wird enger und enger und immer mehr menschen stehen ohne job da.
outsourcing – nicht mehr nur ein schlagwort, sondern arbeitsrealität.
mobilität – ja, gern, natürlich! doch wohin, wenn niemand mich einstellt?
die welt ist kälter geworden, auch die arbeitswelt … vor allem, wenn man außen vor steht und nicht eimal mehr einen blick hinein werfen kann!
daher bleibt mein abschließender wunsch an alle der gleiche:
einen gesicherten job und lernt auf eure innere stimme zu hören!



2 Antworten bis hierher ↓
Mrs. Karibale // September 24, 2009 um 12:23 |
Ich finde mich in vielem wieder, was du hier schreibst … nach dem Studium bin ich jetzt seit über nem halben Jahr auf Arbeitssuche und kann das alles, was du oben erwähnst nur bestätigen! Werd dich jetzt öfter Besuchen kommen
Liebe Grüße!
kipet // September 24, 2009 um 12:44 |
Danke, Mrs. Karibale – ich freue mich immer sehr wenn jemand bei „mir“ vorbei schaut!
Schlimm wenn man gerade das Studium fertig hat, voll der Freude in die Arbeitswelt stolpert und für längere Zeit nichts bekommt.
Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du schnell Deinen Traumjob findest! *daumendrück*
Alles Liebe, Kipet