„will nicht zu bewerbungsgespräch“

eine suchanfrage, die mich sehr nachdenklich stimmt … weil ich sie durchaus auch nachvollziehen kann!

was tut man, wenn man partout nicht zu einem bewerbungsgespräch gehen will?

am besten stellt man sich ganz ehrlich die frage: wieso will ich denn nicht zu DIESEM bewerbungsgespräch gehen?

  • bin ich angestellt und hab einfach mal meine marktlage testen wollen?
  • bin ich erst kurze zeit arbeitslos und habe gedanklich noch nicht mit der alten firma abgeschlossen – brauche also noch eine weile bis das geschehene (kündigung, entlassung, was auch immer) verarbeitet ist?
  • bin ich schon länger arbeitslos und habe schon so viele erfolglose vorstellungsgespräche hinter mich gebracht, dass ich schon die hoffnung auf einen neuen job aufgegeben habe?
  • bin ich schon länger arbeitslos und habe einfach momentan keinen bock auf „hacke?“
  • drängt mich das AMS dazu (in diesem fall muss man leider zum bewerbungsgespräch gehen, will man die arbeitslose nicht verlieren)?
  • oder: hab ich schlichtweg ein mulmiges gefühl bei der ganzen sache?

generell gebe ich verdammt viel aufs berüchtigte bauchgefühl. es trügt eigentlich selten. wie aber auch immer die antwort auf diese fragen lautet – mein rat wäre: ausprobieren! was kann denn schon geschehen? im schlimmsten fall kriegt man ein „nein, du nicht!“ vor den latz geknallt. im besten fall hat man den inneren schweinehund überlistet und kann – egal wie das gespräch auch ausgeht – es als persönlichen gewinn verbuchen.

jedes bewerbungsgespräch verläuft anders.

es gibt bewerbungsgespräche da rennt schlichtweg der schmäh. das gegenüber ist sympathisch. diese bewerbungegspräche geben einem unendlich viel an power und selbstvertrauen zurück. auch wenn am ende kein job dabei rausschaut, man merkt wieder: man funktioniert doch richtig.

dann gibt es aber bewerbungsgespräche, die fürchterlich g’spreizt sind – wie wir in wien sagen. gestelzt, verkorkst, vermurkst. am liebsten mag man da als bewerber die beine in die hand nehmen. die erleichterung ist stets riesengroß, wenn man die türe zu dieser firma hinter sich geschlossen hat.

schlimm sind auch die bewerbungsgespräche, wo man beim ersten anblick des bossischen gegenübers unsympathie ohne ende empfindet, was meistens auf gegenseitigkeit beruht. wenn man in diesem fall auch noch einen IQ-test oder einen test in die hand gedrückt bekommt, der das allgemeinwissen checkt (besonders super, wenn man seit jahrzehnten nimmer die schulbank gedrückt hat und fragen über die abfolge der herrscherhäuser österreichs von wann-bis wann kriegt) … da weiß man, eigentlich könnte man gleich gehen.

meine erfahrungen bei sämtlichen bewerbungsgesprächen waren bislang zu 90 % durchwegs positiv. bei jedem interview habe ich etwas dazu gelernt. bis jetzt sind die berühmt-berüchtigten fragen „verheiratete – kinder- kinderwunsch“ (letzteres wäre in meinem 40-jährigen fall wirklich ein witz) nicht gekommen. auch ein assesmentcenter hab ich mir bisher erspart, obwohl man dabei im normalfall einiges über sich selbst lernen kann – wäre daher eher positiv zu sehen. nur einen komischen allgemeinwissens-test – für einen online-job – durfte ich einmal machen (lächerlich, online findet man alles und noch viel mehr was ich wissen will).

bewerbungsgespräche haben ihren sinn. immerhin bekommt man erstkontakt mit den möglichen zukünftigen kollegen. ein erstes beschnuppern … passen wir zusammen, können wir uns eine zusammenarbeit vorstellen? passt dieser mensch in unser team? tickt der wie wir? auf der anderen seite erhält der jobsuchende ebenfalls einen ersten eindruck. kann sich einfühlen, ob er selbst in diese umgebung passt. mit den arbeitskollegen verbringt man eine menge zeit. weitaus mehr als mit der eigenen familie oder mit freunden. deswegen ist das „erstbeschnuppern“ im falle einer jobsuche sehr wichtig.

noch einmal mein rat: wagt es, geht zum bewerbungsgespräch hin und zeigt der arbeitswelt einen linken haken! es ist euer auftritt, eure bühne – nagelt das gegenüber mit eurer persönlichkeit an die wand! euer selbstbewusstsein wird es euch danken! — auch hier passt mark twains spruch: „heute in zwanzig jahren wirst du über die dinge, die du versäumt hast, mehr enttäuscht sein als über die, die du getan hast.“ in diesem sinne: rein ins vergnügen! es kostet euch keinen kopf … 😉

wenn man aber auf nummer sicher gehen will, schaut auf die webpage: www.kelzen.com – ich habe darüber bereits berichtet (link) – wo mitarbeiter für zukünftige kollegen ihre firmen bewerten … 🙂

will man aber partout nicht gehen – mein rat: anrufen und absagen. ist immer noch besser als einfach nicht hin zu gehen und nichts mehr von sich hören zu lassen. schaut nicht gut aus … und dem selbstwertgefühl schlägt’s auch eine fette kerbe ins getriebe!

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6 Kommentare zu „„will nicht zu bewerbungsgespräch““

  1. super! beim lesen spüre ich so richtig,
    wie sich mein selbstwertgefühl hebt …
    seeeehr aufmunternd!
    ein richtiges – auf in den kampf!
    der sieg ist dir gewiss!

  2. Das klingt ja alles recht positiv, aber ich habe bei Vorstellungsgesprächen immer wieder das Gefühl vor einer großen Prüfung zu stehen – in einem vollen Klassenzimmer und jeder starrt mich an. Schrecklich!

  3. Dieses Gefühl kenne ich leider nur zu gut. Aber kipet hat schon Recht, hingehen. Im schlimmsten Fall kriegt man den Job halt nicht. Meistens stimmen dann die Parameter so und so nicht.

  4. Ehrlich, wer will denn wirklich sich dem Stress eines Bewerbungsgesprächs aussetzen? Ein Spaß ist das nicht, zumindest geht es mir dabei meist ziemlich mies. Die kelzen-webpage klingt gut und ich werde da gleich mal meine alte Firma bewerten. 😉

  5. @Jamal: Hallo Jamal, schön, dass Du meinen Weblog „gefunden“ hast! Bewerbungsgespräche sind sicherlich eine ziemliche Herausforderung fürs Nervenkostüm. Vor allem, wenn es wirklich um was geht – sprich, wenn man nicht einfach mal seinen Marktwert testen will, sondern WIRKLICH auf Jobsuche ist. Da kann ich eine Portion Muffensausen schon verstehen …
    LG Kipet

    @Cora: Am wichtigsten ist das Bauchgefühl. Wenn Du Dich beim Vorstellungsgespräch wohl fühlst, sollte es auch mit den Kollegen klappen.

    @Renata: Auch wenn es Dich jedesmal eine wahnsinns Überwindung kostet, man sollte zu diesen Vorstellungsgesprächen gehen. Wie gesagt, es gibt Dir einen ersten Eindruck über die Leute, die da arbeiten. Der Chef sucht ja sämtliche Mitarbeiter aus, und meistens sind die Bosse dieser Welt feinfühlig genug, die Menschen aus den Bewerbern zu picken, die dem Rest-Team ähnlich gelagert sind. Das schafft ein gutes Arbeitsklima und Dir als Angestellte(r) macht das Arbeiten gleich viel mehr Spaß!

    @Sonnenschein: Danke für die zustimmenden Worte! 😉

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