dschungel „in the city“

… oder: die gründaumige killerhand: heute juckt mich mein grüner daumen …

jetzt höre ich meine frau mama schallend lachen. bei mir überlebt gestrüpp. wenn’s denn mal gut geht. eventuell ein genügsamer kaktus, manchmal auch eine alte, geduldige … tja, was ist es denn nun? es steht halt schon seit ich denken kann in meinem zimmer. das grüne ding ist fast so (ur)alt wie ich. einfach nicht tot zu kriegen.

mein pflänzliches wissen erstreckt sich von „das ist gras“ über „das ist ein baum“ bis hin zu „das ist eine rose“. diese drei dinge kann ich mit ziemlicher sicherheit bestimmen.

doch pflanzen haben ihre tücken, manche sehen aus wie blumen, sind aber keine. und manche bäume sehen aus wie bäume, sind aber sträucher … selbst kakteen sind ausgefuchste „hunde“. unsere stacheligen freunde können wie blumen aussehen.

frau katz und ihr katzengras; (c) kipet

somit umgebe ich mich mit katzengras und grünzeugs, das halt einiges aushält.

ich wohne in einem netten biedermeierhäuschen mitten in wien. dieses wunderbare häuschen hat wunderbarerweise einen innenhof. einen begrünten innenhof. mit einem baum … wie gesagt, diese dinger erkenne ich … und ein paar sträuchern. und eine menge gestrüpp, das wirklich arm aussieht.

warum mich das gestrüpp im hof stört? kätzchen bekommt täglich eine stunde hoffreigang. dem vierbeinigen sträfling muss man ja auch sein vergnügen gönnen. ebenso führt meine hausmitbewohnerin, die alte frau s., ihren kater chichi mehrmals am tag in den hof. chichi liebt es den wilden lorbeer anzuknabbern. da weiß ich auch nur, dass es sich um einen wilden lorbeer handelt, weil frau s.  sich mit pflanzen auskennt und mir jedes mal, wenn wir uns sehen, die gleiche geschichte über den wilden lorbeer und die tatsache, dass kater chichi gerne an dem strauch knabbert, erzählt. frau s. ist weit über 80 aber immer noch gut beisammen. nur die geschichten, die wiederholen sich halt immer. wir katzenfrauen müssen ja zusammen halten, nicht wahr?

jedenfalls war es chichis wilder lorbeerstrauch, der mich heute meine gartenschere zücken ließ. fragt mich bitte nicht, wieso ich eine gartenschere besitze. das ding war einfach eines tages in meinem werkzeugkasten. seitdem harrt sie untätig da drin und wartet auf ihren einsatz.

zurück zu chichis strauch. dieses arme gewächs sieht einfach zum steineerweichen aus. niemand hegt es, niemand pflegt es, die äste wachsen ins nirvana und meine katze mag den duft nicht. und wenn ich ehrlich bin, letzteres ist der hauptgrund weswegen ich den chichi-strauch heute zurecht stutze.

ich warte also, bis frau s. sich mit ihrem kater wieder in ihre vier wände verzogen hat, gebe meiner frau katz den befehl nicht abzupaschen, erklimme die zwei stockwerke in meine wohnung, hole die werkzeugkiste raus, krame nach der gartenschere und eile flugs die stiegen wieder in den hof hinunter.

next target: chichi-strauch. fast scheint es, das grüne ungetüm ahnt was ihm blüht, denn die farne, die sich wie ein schutzwall um den strauch festgewachsen haben, bilden ein beinahe undurchdringliches dickicht. warum ich weiß, dass es sich dabei um farne handelt? keine ahnung, das gestrüpp sieht halt so aus, wie ich mir farne vorstelle. zeimlich wahrscheinlich sind es nicht einmal farne.

ich fühle mich beinahe wie der prinz, der sich durch ein rosendickicht seinen weg zu dornröschen bahnt, so verwoben und verstrickt sind die einzelnen äste meiner möchtegern-farne. da kommt mir die idee: diese dinger sind eh hässlich, die könntest du auch gleich abzwacken!

gesagt, getan. beinahe wünsche ich mir ein buschmesser in meine hand. ein schnipser hier, ein schnipser da, ein weg entsteht durchs gestrüpp. wacker wie allan quatermain schlage ich mich durch unseren möchtegern-farningen großstadt-dschungel im hinterhof. seltsames getier kriecht aus allen ecken und enden hervor. würmer … und noch schlimmer: kellerasseln. yak! ein kurzer hilferuf gen frau katz „kätzchen, da ist eine fliege“ und mein haustiger erledigt die kriechviehcher. (nur zur erklärung: „fliege“ heißt in unserer katzen-mensch-sprache „insekten aller art“, und die muss frau katz gnadenlos jagen — na wenn’s halt keine mäuse gibt müssen insekten herhalten …)

den unbilligen umständen trotzend, dringen frau katz und ich zum chichi-strauch vor. meine gartenschere macht kurzen prozess mit dem ausladenden ungetüm. zwack, zwack, zwack. nun sieht er wieder manierlich aus, der wilde lorbeerstrauch. richtig hübsch rund und … eben wie ein strauch und nimmer wie ein zustand!

dermaßen aufgestachelt schnippse ich noch den einen und anderen strauch im hof zurecht. ich hoffe, in meinem gründaumigen eifer hab ich nicht zuviel des guten getan und meine vermieterin schickt mir am ende eine saftige gartenrechnung ins haus, weil sie frisches grünzeugs anpflanzen lassen muss.

nach getaner arbeit machen frau katz und ich uns wieder in unsere gestrüppfreie wohnung. bin gespannt was kater chichi morgen maukt, wenn er die reste seines kleinen katzenglücks sieht …

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6 Kommentare zu „dschungel „in the city““

  1. seh dich so richtig im hof werken!
    hoffentlich überlebt das gestrüpp.
    kätzchen wär sicher nicht froh, auf einmal kein grün mehr im hof zu haben …

  2. lieber herr karotte,

    nua kane panik in da botanik! der urwald steht noch!
    einfach den näxtn eintrag lesen und alles ist wieder klar wie klosbrühe! 😉

    baba kipet

  3. Ja manchmal muss man ja dem Grünzeugs ans Leder, damit es wieder besser wächst, oder hab ich da was im Botanikkurs missverstanden?

  4. genau so was in der art hat meine oma auch immer gesgat … nur SIE hat sich – zum unterschied zu mir – mit den pflanzen dieser welt ausgekannt! 😉

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