Und einen hab ich noch …

Damit’s ned fad wird, hab ich noch eine wunzig kleine Weihnachtsmarktgeschichte für Euch auf Lager:

Weihnachtsmärkte sind offenbar die erste echte Testregion für Kindergartenkinder. Das Kaufen mit eigenem Geld. Am Vormittag bis zum frühen Nachmittag haben die Kindergartenkinder das Zepter fest in ihren Händen. Drei Tanten, manchmal sind auch Onkels dabei, gehen in Kleinstgruppen mit den Gschrappen von einer Bude zur nächsten. 

„Was hamma daheim gesagt? Niiiiix anfassen Kinder! Was hab ich grad gesagt, Isamail? Nichts anfassen, und wo sind Deine Hände? Sandra, was hab ich gesagt? Schauen tut man mit den Augen!“

So geht das in einer Tour. Ich denke mir, was Kinderhände nicht aushält ist nichts wert. Na ja, bei den Glaskugeln seh ich den Spruch schon ein bisserl anders, aber generell – warum sollen sie nicht auch anfassen dürfen, was jeder Erwachsene ebenso ohne Warnspruch eines einflüsternden Kindergartenzerberus‘ tut?

Ich ermuntere also die Kids die Schneekugeln mal so richtig schön schneien zu lassen. Oder aber auch die Spieluhr, die nur funktioniert, wenn man dran kurbelt, zu benutzen. Da leuchten die Kinderaugen immer ganz besonders erfreut. Mechanik. Ein Zauberwort. Alles was mechanisch geht ist spannend. Da wird gekurbelt, bis kein Auge trocken bleibt.

Meistens entdeckt eines der Kinder „meinen“ hölzernen 15-cm-hohen Weihnachtsbaum: „Was kann der denn?“

„Stellt Euch vor, der kann sich drehen und singt ‚Oh, Tannenbaum‘. Soll ich ihn Euch mal vorführen?“

„JAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!“ – einhelliges Kindergebrüll.

Ich ziehe also diesen hölzernen, drehenden Tannenbaum auf und erfreue Kinder und Tanten und Onkeln mit dem weihnachtlichen Derwisch en miniature. Normalerweise ist die Begeisterung der Kinder auf eine bestimmte Zeit begrenzt, es gibt ja auf so einem Markt wahsninnig viel zu sehen, was auch alles gesehen werden will!

Doch letztens stand eine kleine Gruppe niedlicher Gesichter vor meiner Bude. Der hölzerne Tannenbaum versah drehender und singender Weise seinen Dienst, als plötzlich eines der Kinder, und in unmittelbarer Folge alle anderen einstimmend, mit strahlenden Augen „Oh, Tannenbaum“  mitsang. Gerührt schaute die Kindergartentante in ihre engelsgleiche und (ausnahmsweise) nichts angrapschende Kinderrunde und meinte: „Das habt Ihr alle aber sehr schön gesungen!“

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10 Kommentare zu „Und einen hab ich noch …“

  1. … kein Wunder, dass sich die passende Weihnachtsstimmung nicht einstellen will – was gehört in unseren Breiten zu Weihnachten dazu? Schnee. Und wo bleibt der? In den Bergen. Nach Wien mag das weiße Wunder einfach nicht mehr kommen! *seufz*

    Ich hoffe, Frau W., die Weihnachtsstimmung hält bald bei Dir Einzug und ich bin froh, wenn ich da mit meinen Weihnachtsmarktgeschichten ein bisschen nachhelfen kann! 😉

    Alles Liebe, Kipet

  2. also heut hatte ich viel zu tun, alle neuen einträge zu lesen!

    klingt ganz, ganz lieblich in meinen ohren, diese erzählung!

    und für eine gute weihnachtsstimmung möchte ich mödling bei wien empfehlen.
    die bäume entlang der strasse zum zentrum sind wunderschön zart geschmückt, das rathaus entzückend beleuchtet, die häuser sehen ganz verzaubert aus, der weihnachtsmarkt ist sehr nett. der punsch billiger als in wien …

    zum wochenende hat das volkskundemuseum seine pforten geöffnet. da kann man die wunderschöne, grosse und sich bewegende „egerländer krippe“ bewundern. Begleitender musik und der jesuskind-geschichte lauschen.
    und dann gibt es da noch wunderschöne kleine und grössere geschenke zu kaufen …

  3. Ich habe auch schon mehrfach gehört, dass der Christkindlmarkt in Mödling ganz besonders lieb sein soll. Noch urtümlicher und weniger mit Kitschposten überlagert … mit eigenen Augen gesehen hab ich ihn allerdings noch nicht.

  4. …was wäre Weihnachten ohne leuchtende Kinderaugen? Ich wünsche noch eine schöne Vorweihnachtswoche (auf dem Weihnachtsmarkt?) Liebe Grüße nach Wien!

  5. Hallo Bine, willkommen auf meinen (pseudo)arbeitlosen-Blog!

    Erst heute, als ich wieder meine Schicht am Standl Nr. 3 fuhr, dachte ich mir: schnell vergangen – noch eine Woche bis Weihnachten – und noch eine Woche am Markt. Ein bisschen Wehmut will mich da schon beschleichen, denn es ist/war eine witzige Zeit mit neuen Erfahrungen.

    Liebe Grüße auch zu Dir nach D!
    Kipet

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