Wieder im Spiel

Seit 31.12. gehöre ich wieder der Angestelltenzunft an

Wie schon in meinem Beitrag „Eigentlich“ geschildert, gehe ich wieder fünf Tage die Woche brav zur Arbeit. Man hat mich bereits am 31.12. vom AMS abgemeldet, die zwei Tage, die bis zum Ende der Betriebsferien noch offen sind, muss ich einarbeiten. Doch zuerst einmal bin ich fröhlich nach Schottland verschwunden, wo ich in Edinburgh ein sensationelles Hogmanay feiern drufte.

Seit letzter Woche Mittwoch ist der Ernst des Lebens bei mir wieder eingekehrt. Aufstehen, anziehen, Katzenfrühbetreuung, und ab in die Arbeit.

Meine Kollegen sind allesamt, ohne Ausnahme, sehr, sehr nett. Sehr hilfsbereit und offen. Freundlich. Auch meine Chefin erweist sich als sehr interessante Persönlichkeit, und ich bin froh, denn ich scheine es gut getroffen zu haben.

Allerdings muss ich mich in eine völlig neue Welt einarbeiten. In die Welt der Gehörlosen. Kein leichtes Unterfangen, dass könnt Ihr mir glauben. Ich kann kein einziges Zeichen der Gebärdensprache – der österreichischen Gebärdensprache (GS), denn selbst da gibt es Sprachbarrieren. Schon ein kleiner Unterschied ist – angeblich – zur deutschen GS vorhanden. Ich dachte immer, die GS wäre international. Falsch gedacht. Kleinigkeiten scheinen international zu sein, aber jede GS hat ihre Eigenheiten.

Also bin ich froh, wenn mir einer meiner hörenden Kollegen als Dolmetsch beisteht.

Die Gehörlosenwelt ist eine mir unbekannte, sehr vielschichtige und vielseitige Welt. Die Deaflympics waren mir bislang unbekannt. Ein Jahr nach den Olympiaden finden die Deaflympics statt. Es gibt Theater für Gehörlose, barrierefreies Kino, barrierefreie Bücher – eine ganze Menge davon, übrigens. Tanz und Bälle …

Ich bin überrascht, wirklich überrascht und betrete diese für mich neue Welt mit offenem Staunen. Beinahe fühle ich mich wie ein Kleinkind, das gerade das Sprechen lernt und auf alles deutet was ihm ins Gesichtsfeld kommt und sagt: „Ähähäh“, und Mutti weiß, was das Kindchen will. Und Gott sei Dank wissen das auch meine gehörlosen Kollegen. Sie sind sehr geduldig und zeigen mir x-Mal die Gebärde für „Danke“. 

Es macht Spaß wieder arbeiten zu gehen. Obwohl … wenn ich ganz ehrlich bin kostete es mich schon ein wenig Überwindung das sichere Zuhause gegen den Büroalltag einzutauschen. Als Arbeitslose wird man irgendwie gesellschaftsängstlich. Man vermeidet Menschen, vereinsamt auch ein bisschen, obwohl es einem nicht einmal bewusst ist. Oder man sieht es in dieser Phase des Daseins einfach nicht so, das Abgekapseltsein von der Allgemeinheit.

Sei’s wie’s sei. Ich bin jedenfalls wieder im Spiel! 🙂

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8 Kommentare zu „Wieder im Spiel“

  1. Das finde ich aber sehr spannend, was Du da erzählst!
    Scheint eine sehr soziale Welt zu sein mit offenem Zugang an die Menschheit.
    Klingt schön. Sollte da nicht der kleine Wehrmutstropfen des gehörlos Seins dabei sein scheint es eine erstrebenswerte Welt zu sein ….
    Viel Spaß und gutes Gelingen und viele schöne Erfahrungen wünsch ich Dir!

  2. Das liest sich wirklich sehr spannend. Und ich freue mich für dich, dass du offensichtlich nette Kollegen und eine nette Chefin hast. Besser geht’s nicht. 🙂

    Als Arbeitsloser vereinsamt man tatsächlich. Habe ich auch so empfunden. Man geht nicht mehr so raus, wohin auch kostet ja alles Geld. Man nimmt am kulturellen Leben nicht mehr wirklich teil – ist zu teuer. Beschränkt sich auf die Dinge, die kaum Geld kosten. Und bewegt sich so schlagartig in anderen Gesellschaftsschichten. Teufelskreis.

    *g* Ich kann mich noch an mein erstes Telefonat aus dem Homeoffice erinnern, nachdem ich vorher lange Zeit nur geputzt habe (da triffst du ja niemanden, weil schon alle weg sind)… es war grausam. Ich habe mir vor Nervosität fast in die Hosen gemacht und Ausreden erfunden, um nicht telefonieren zu müssen. Uff. Aber jetzt hat sich das gelegt. Muss ja. :mrgreen:

    Dir toi, toi, toi und gutes Gelingen. 🙂

  3. Ich gratuliere aus ganzem Herzen!!! Von meinem eigenen Job weiß ich inzwischen, wie wichtig es ist, in einem funktionierenden Team zu arbeiten. Bei uns ist das leider kaum so, und ich freue mich für jeden, der liebe Leute in der Arbeit trifft und keine Angst vor deren Mißgunst und Getratsche haben muss, wie das bei uns leider der Fall ist. Ich freue mich auf mehr Geschichten aus ihrem Arbeitsalltag!

  4. Auch von meiner Seite herzlichen Glückwunsch zum neuen Job!!! Das neue Aufgabengebiet klingt aufregend und ganz anders, als was man sich bei einem „normalen“ Job vorstellt.
    Ich freue mich und mal sehen, was das Jahr uns noch so bringt!
    Viele Grüße
    Sandkatze

  5. Dank Euch allen vielmals! Ich hoffe, das mit den „netten“ Kollegen bleibt auch dabei!

    Ich habe mir ein paar Maxime überlegt:
    Sei nicht boshaft, sei ehrenvoll.
    Achte Deine Umgebung.
    Achte Deine Kollegen.
    Setze Grenzen.
    Sei korrekt, höflich, integer.
    Steh zu Dir und Deiner Linie.
    Und vielleicht am Allerwichtigsten: Zieh Konsequenzen: Wenn’s net passt, passt’s net.

    Kein Arbeiter ist Bittsteller. Kein Arbeiter ist Skalve. Ihr könnt etwas. Ihr leistet. Ihr habt eine wirtschaftliche Kraft in Euch, werdet und seid Euch dessen bewusst. Wer das nicht erkennt, sein Pech.

    Nochmals: Höre aufs Bauchi, füttere es mit „guten Dingen“ und Dein Leben wird einfach nur noch fein sein. Wenn’s mal eng wird, wird’s eng, aber es wird auch wieder besser werden. Plakativ gesagt: aus jedem Tal gibt‘ s einen Weg raus- auch wenn’s ein bisserl holprig wird.

    In diesem Sinne – Bussi aus Wien, Kipet

  6. Ich finde deine Geschichte auch sehr spannend und eigentlich sehr interessant. Ich freue mich für deine Arbeit und der Team ist eigentlich immer sehr wichtig.Also,viel Spaß damit und alles gute:)

  7. Danke, Rafael, und willkommen auf meinem (pseudo)arbeitslosen-Blog!

    Bin eigentlich ganz happy da wo ich gelandet bin, nur leider ist die Bezahlung einfach schrecklich mies. Das Team selber ist wirklich fein! Selten hab ich mit so einem netten „Haufen“ zusammen gearbeitet! 😉

    LG Kipet

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