Nehmt endlich die 40+-ler wahr!

jobabsage
Tatsächlich zu alt zum Arbeiten: Jahrelang bitte ich die verantwortlichen Personalmenschen darum ehrliche Jobabsagen zu formulieren. Kommen sie dann doch, fühlt es sich an wie eine G’nackwatschn mit gut gezieltem Tritt in den Allerwertesten…

Jetzt haben wir’s schwarz auf weiß, die Personalmenschen gehen anscheinend zu den von mir schon lange geforderten ehrlichen Jobabsagen über – ein Freund postete kürzlich auf Facebook: „Endlich mal ein ehrliches Feedback zu einer SM(= Social Media)-Jobabsage: ‚Sie sind für Blog- und SM-Aktivitäten zu alt…'“

Ja, da hat man’s dann. Zu alt. Ein Mittvierziger ist zu alt. Ehrlich, aber schmerzlich, diese Hinwendung der Personalchefs zur blanken Wahrheit. Nicht nur das, es ist auch erschreckend, denn was sollen wir gut (aus)gebildeten, eventuell studierten, mit Skills und Softskills behafteten arbeitslosen 40+-ler jetzt tun? Uns eingraben gehen?

Das AMS sitzt uns im Nacken.
Das schlechte Gewissen den Mitmenschen auf der Tasche zu liegen auch.
Das Geld, das man als Arbeitsloser und bald als Notstandbezieher bekommt, wird immer weniger. Man kann weniger leben, grenzt sich selbst sozial aus, verschwindet aus der Öffentlichkeit. Wird depressiv und holt sich ein gesundes Burn-Out.

Ein Teufelskreis ins Nichts. Die Zukunftsaussichten sind gelinde gesagt trüb. Was machen wir, wenn wir aus der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit heraus endlich in Pension gehen dürfen? Müssen wir mit 813 Euro (oder gar weniger?!) Mindestsicherung unseren Lebensabend begehen? Und damit wieder der Allgemeinheit auf der Tasche liegen? Wie lange finanziert sich ein solches System denn noch – und wann kommt der finanzielle Supergau? Was dann?

Dabei wollen wir arbeiten – aber man lässt uns einfach nicht. Man gibt uns einfach keine Chance zu beweisen, dass 40+-ler noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Dass wir was leisten können und wollen.

Die Maßnahmen gegen diesen Trend muten beinahe lächerlich an: Man lässt sich schulen – man wird immer „überqualifizierter“. Man lässt sich auch schon mal umschulen – da ist man wahrscheinlich zu alt für einen Neuanfang.

Also wozu das Ganze?
Wozu finanziert das AMS um teure Steuergelder teure Schulungen und Umschulungen für Menschen, die mit 40+ offensichtlich schon zu alt für den Arbeitsmarkt sind? Eine Beschäftigungspolitik, damit die Wahrheit nicht ganz so plakativ aufs Gemüt drückt?

Eine Arbeitslosenpolitik mit Hirn wäre schon mal ein Anfang. Nicht qualvolles, sinnloses, planloses Schulen und Umschulen, nur damit der Arbeitslose für ein paar Wochen vom Tisch des AMS-Menschen verschwindet und der gigantische Aktenstapel arbeitsuchender Würmer endlich einmal optisch kleiner wird.

Vor allem aber fordere ich von der Politik endlich das Problem der 40- bis 50-jährigen Arbeitslosen zu registrieren. Es ist tatsächlich der Einstieg zum langzeitarbeitslosen 50+-Dasein, jene Menschen, die so plakativ in der letzten Arbeitslosenstatistik des AMS als Loser der Arbeitsnation des Jahres 2013 aufscheinen.

Nehmt endlich einmal die 40+-ler wahr! (Eigentlich kann man schon mit den arbeitslosen 38+-lern anfangen ernsthaft zu arbeiten, liebes AMS, liebe Arbeitspolitiker, die bekommen nämlich auch nur noch schwer einen Job.)

Und bitte mal mit Herz und Hirn überlegen, wozu ein Pensionsalter anheben, wenn über kurz oder lang immer mehr 40-, 50- und 60-Jährige als Langzeitarbeitslose die Statistiken schmücken?

Meine persönliche Meinung zu der Jobabsage selber: Seitens der Arbeitgeber ist dieses „zu alt für Blog- und SM-Aktivitäten“ eine nur schwer nachvollziehbare Überlegung, allein wenn ich schon denke wie lange tagtäglich meine werte Frau Mama und ihre Freundinnen – alles glückliche 65+-ler Pensionistinnen – am Computer mit Bloggereien und Facebookpostings aktiv sind. Klar, man kann Newbies relativ schnell einschulen, sie sind billiger und vielleicht auch aufgrund der fehlenden Vorgeschichte psychisch belastbarer. Schade nur, dass auf Erfahrung, Wissen und praktisches Know-How im Job heute immer mehr gepfiffen wird.

Positiv möchte ich jedoch vermerken, dass dieser Arbeitgeber sein „Du nicht“ ehrlich begründet hat. Schwer zu schluckender Tobak, stimmt. Aber ehrlich.

Meinem Freund steht natürlich die Möglichkeit offen wegen Diskriminierung mit dieser Geschichte vor den Kadi zu gehen (Infos). Damit hat er am Ende aber immer noch keinen Job…

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Ein Gedanke zu „Nehmt endlich die 40+-ler wahr!“

  1. Irgendwie blöd, dass noch keiner reagiert hat. 😦
    DAs mit dem Alter… das habe ich leider auch schon umgekehrt erlebt:
    Da hat mir ein Arbeitgeber nach dem Vorstellungsgespräch die Absage geschickt mit dem Vermerk- wortwörtlich!!- „Leider müssen wir Dir absagen, weil wir dich als zu jung für diese Position empfinden.“
    Merci- beim nächstem Mal gebe ich meiner Mutter Bescheid, dass sie mich bitte mindestens 8 Jahre früher plant…

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