Szenen einer Bewerbung

studiumneindanke_2Szenen einer Bewerbung wie sie schräger kaum mehr sein können!

Man stelle sich vor: Eine Stellenanzeige in einer Zeitung.
Gesucht wird: EinE AssistentIn des Personalchefs einer größeren Hotelkette.

Frau ist entzückt. In einem Hotel zu arbeiten war schon immmer ihr Traum. Sie schreibt das perfekte Bewerbungsschreiben. Der CV ist lückenlos und weist nur die besten Adressen auf, die man sich im Personalressort  nur ausmalen kann. Frau ist Profi. Und: Frau hat studiert. Psychologie. In Mindeststudiendauer.

Selbstverständlich kann der Personalmensch dieser Hotelkette nicht an Frau vorbei. Er lädt sie zum Vorstellungsgespräch ein. Man versteht sich blendend. Man kommt aus dem gleichen Bundesland. Man hat ähnliches studiert. Man entdeckt Gemeinsamkeiten und man freut sich an einer möglichen Kollegenschaft wie sie eigentlich besser kaum sein könnte. Kollegenschaft auf Augenhöhe. Man würde sich perfekt ergänzen. Die kollegenschaftliche Chemie stimmt.

Man verspricht sich ehebaldigst zu melden, da man auch noch andere Bewerber anschauen müsse…

Frau geht guten Mutes und voller Zuversicht nach Hause.
Es vergehen ein paar Tage. Kein Widerhall seitens der Hotelkette.

Eine Woche später wagt Frau den Anruf. Selbst als Personalprofi ist sie sich nicht sicher: Soll sie anrufen auch auf die Gefahr hin als lästig zu gelten? Mich beruhigt dieser Zweifel, denn mir – als NICHT-Personalmensch – geht es selten anders.

Frau wird zum Personalchef der Hotelkette durchgestellt. Man druckst herum. Man eiert durch die Gegend. Dann sammelt man sich, weil Frau meint sie würde einfach jetzt gern wissen was Sache wäre.

„Also Frau Frau, es ist folgendes“, stottert der Personalchef der Hotelkette hörbar unangenehm berührt in den Telefonhörer. „Wir beide, das wäre wirklich einem Dreamteam gleichgekommen. Ich hätte sehr gern mit Ihnen zusammen gearbeitet. Aber…“ Das Herz, das noch so hoffnunsgfroh in Frau Fraus Brust geklopft hat, rutscht ins körpereigene Tiefgeschoss.

„…das Problem ist folgendes: Kein einziger Mitarbeiter der Hotelleitung selbst hat studiert. Und da ich schon als einzige studierte Person diesen Posten bekleide, und wenn ich Sie jetzt, auch mit einem Magister in der Tasche als meine Assistenz einsetzt, dann würde sich die Hotelleitung ein bisschen minder vorkommen… Daher muss ich Ihnen, so leid es mir auch tut, absagen…“

Kaum zu glauben.
Ein fertiges Studium als Hinderungsgrund einen extrem gut ins Team passenden Menschen einzustellen, da die Chefs sich minder vorkommen weil sie keinen Studienabschluss haben.

Arbeitswelt – sag tickst du noch irgendwo richtig?!

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4 Kommentare zu „Szenen einer Bewerbung“

  1. Diese Bericht mit „gefällt mir“ zu liken fällt mir schwer.
    Wohin führt diese verdrehte Welt noch?
    Aber.
    Beim Nachdenken hüpfen mich da so einige Gedanken an:
    – Selbstwertlosigkeit
    – Minderwertigkeit
    – Angst vor Konkurrenz
    – mangelndes Persönlichkeitswachstum
    Ganz einfach schlimm.

  2. Das Arbeitslosendasein ist einfach eine Farce, eine permanente Achterbahnfahrt durch ein Tal des Jammers.

    Bildet man sich fort bist du chancenlos – weil überqualifiziert.
    Und bildest du dich nicht fort bist du ebenfalls chancenlos – weil unterqualifiziert.
    Vielleicht sollte „man“ endlich den Arbeitslosen so ehrlich gegenübertreten und sie mit der kruden Wahrheit konfrontieren, nämlich, dass es für dieses Heer an Arbeitssuchenden einfach nicht genügend offene Stellen gibt.

    Ist das alles nicht einfach witzlos?
    Wie kann man sich da vom Leben NICHT – und entschuldigt nun den folgenden Kraftausdruck – verarscht vorkommen?

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