Chance auf einen Neuanfang

umschulungPanik. Jetzt schon. Und dabei steht mir das Vorstellungsgespräch zu einer Umschulung noch bevor. Ich will diese Chance auf mein neues Arbeitsleben – u n b e d i n g t !!!

Was tut mensch in dem von mir angestrebten Job? Was erwartet mich dort, was erwartet mich bei diesem Vorstellungsgespräch? Welche Fragen können auf mich einprasseln? Und wie bereite ich mich darauf am besten vor?

Ich sitze vor Computer und recherchiere. Homepages, Artikel und Erfahrungsberichte. Massenhaft Erfahrungsberichte. Positives und nicht gerade wenig Negatives. Trotzdem will ich es immer noch – ich will es – u n b e d i n g t !!!

Ich studiere meinen Lebenslauf. Denke darüber nach, welche Fragen zu diesem und jenem Punkt kommen könnten. Behirne, wie ich darauf am besten antworte. Rede laut vor mich hin, übe, sodass mein Katzentier verwundert auf mich blickt: „Was hat die denn da im Sinn?“

Ich hämmere mir meine ausgedachten, zusammen gezimmerten Antworten zu Fragen ein,  die mir vielleicht nie gestellt werden. Lerne sie schon fast auswendig – aber nur fast, denn offensichtlich auswendig Gelerntes kommt auch nicht gut.

Danach die große, oft alles entscheidende Kleiderfrage: Was anziehen? Der künftige Job bedarf keines Topmanageroutfits. Aber abgeschnuddelt will ich auch nicht erscheinen. Also suche ich das dresscodetechnisch gesunde Mittelmaß. Ich durchwühle meinen Kleiderkasten, probiere ein Fähnchen nach dem anderen bis das Kleiderhaufendurcheinander am Boden mich beinahe schon körperlich bedroht: „Schau her, so viel hast du schon probiert, nichts ist dir genehm – du wirst nichts finden!“

Die Panik ob der Kleiderfrage wird virulent. Ich gehe ins Wohnzimmer und siehe da, am Wäschetrockner hängt meine Lieblingsbluse, Gott sei Dank schon trocken! Ich schnappe mir das Teil und checke nochmals den Kleiderkasten auf einen passenden Rock. Die Schuhfrage ist diesmal ausnahmsweise ein Klacks.

Mit gutem Gefühl ge-dressed – eben im schönen Mittelmaß, nicht zu viel und nicht zu wenig – begebe ich mich in Richtung Universität. Hier habe ich mein Vorstellungsgespräch.

Ausnahmsweise bin ich überpünktlich, also sehe ich mir noch die Ruhmeshalle in der Aula an. Natürlich vergesse ich darüber hinaus beinahe die Zeit und hetze schnell in den ersten Stock. Dort muss ich einen komplizierten Zahlencode eingeben, damit ich überhaupt ins Heiligste des Allerheiligsten eingelassen werde. Vertippen – selbstredend!

Aber ich schaffe es vorgelassen zu werden. Nervös wandere ich am Gang vorm Besprechungszimmer auf und ab. Zippe am Rock und rucke an der Bluse. Ja, es sitzt alles ganz passabel. Auch die Schuhe werden noch einmal mit ein bisschen Eigenspucke und einem Taschentuch blankpoliert.

Dann ist es so weit. Ich werde eingelassen. Wunderschöne Deckenfresken lenken meinen Blick sekundenlang vom Wesentlichen ab. Drei Menschen sitzen mir an einem langen, alten Tisch gegenüber und sehen mich erwartungsvoll an. Warten freundlicherweise ab, bis ich mein begeistertes Umherschauen beendet habe. Dann erinnere ich mich wieder meiner Erziehung, gebe brav Pfötchen und stelle mich vor.

Kaum sind die Formalitäten erledigt, prasseln schon die ersten Fragen auf mich ein – wir gehen gleich ins Eingemachte, keine nette Vorstellungsrunde, nein, gleich in die Vollen:

Interviewer Numero 1 – und die übliche 0/8/15-Frage: „Wo sehen Sie sich in vier Jahren?“ – Gut, das habe ich geübt. Ich antworte, mein Gegenüber nickt und notiert sich etwas in sein Büchlein.

Interviewer Nomero 2: „Was stellen Sie sich unter dem Job eigentlich vor? Sie sind Journalistin, das ist doch etwas komplett anderes als das, was Sie jetzt anstreben?“ – Auch mit dieser Frage habe ich gerechnet und antworte wahrheitsgetreu, dass da so viel Unterschied doch wohl nicht sei…und rede und rede. Einheitliches Nicken und Notieren am Ende meiner Kurzansprache.

Interviewer Numero 3: „Sie haben schon viele Ausbildungen und Lehrgänge absolviert. Wie können Sie die bei uns einbringen?“ – Damit spielen sie mir in die Hände. Ich rede um meinen beruflichen Neuanfang. Man notiert sich, nickt, lächelt und notiert sich wieder.

Interviewer Numero 2: „Gibt es einen Plan B?“ Das überrumpelt mich dann doch. Ich antworte: „Plan B? Nein, das ist Plan B!“

Derart geht die Fragerunde eine Viertelstunde lang um meine höchstpersönliche Wurst. Am Ende blickt man mich an und sagt: „Wir werden Sie am 27. Juni per E-Mail verständigen, ob Sie aufgenommen werden oder nicht,“ lächelt die Chefbefragerin. „Checken Sie also Ihren E-Maileingang!“

Ich bin entlassen. Ein bisschen perplex, weil die Fragerunde nur 15 Minuten gedauert hat. 15 Minuten, die darüber entscheiden, ob ich eine berufliche Kehrtwendung machen darf oder nicht.

Ich stehe ein bisschen zittrig auf, reiche meine Hand und sage noch einmal (vielleicht ein bisschen verbissen) lächelnd: „Ich mache so viele Interviews, rede mit so vielen Menschen, aber so nervös wie heute war ich noch nie!“ „Wirklich?“, so die Chefverhandlerin. „Das ist uns aber überhaupt nicht aufgefallen!“ „Ja, wirklich. Das war ich sicherlich nur, weil ich diese Umschulung unbedingt will – u n b e d i n g t !!!“

Lächelnd reicht man mir nochmals die Hände zum Abschied. Ich bin entlassen – mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ob der Fragen: Hab ich da jetzt nicht zu tief in meine Karten blicken lassen? Hat das gepasst? Waren meine Antworten ok?

Wir werden es sehen. In ein paar Tagen weiß ich mehr. Dann ist klar ob ich im Herbst mit der Umschulung beginnen oder mich weiter als Journalistin durchs Leben g’fretten darf. Ich kann nur sagen: Ich will diese Umschulung – u n b e d i n g t !!!

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9 Kommentare zu „Chance auf einen Neuanfang“

  1. Soviel Ehrlichkeit und Engagement muss ganz einfach punkten.
    Ich halte dir alle Daumen deren ich fähig bin. Bussi.
    Übrigens – den Artikel finde ich ganz einfach toll.

  2. hi, ich hab grad deinen blog entdeckt. Ich bin seit drei Tagen arbeitslos. Und eigentlich will ich mich selbstständig machen. Ich glaub ich muss mir nach meiner verpflichtenden Infoveranstaltung mal deinen gesamten Blog durchlesen.
    Hast du den Job auf der Uni?
    Ich habe mich in den letzten Monaten immer wieder beworben, leider Absagen über Absagen. 40 ist wohl schon recht alt!
    Wie auch immer, viel Erfolg – dir – mir – allen Arbeitslosen, die einen Job suchen
    klingelfee

    1. Hallo, liebe Klingelfee, willkommen auf meinem (Pseudo)Arbeitslosenblog!

      Das tut mir leid für Dich, dass Du arbeitslos geworden bist. Eine schlimme Situation. Und leider wird es heute immer schwerer mit 40 einen Job zu bekommen. Das kann schon eine Weile dauern – aber bitte nicht verzweifeln: Man kann auch im unerwartetsten Moment Glück haben und es geht schneller mit dem neuen Job als gedacht.

      Da Du erst 3 Tage arbeitslos bist, gleich mal ein wichtiger Tipp: Wenn Du mit dem AMS zu tun hast frag besser ALLES 3x nach. (Frage die Herrschaften, dafür sind sie da, keine Scheu!) Hole Dir Auskünfte von mehreren Seiten ein (manchmal ist auch eine Auskunft von der Arbeiterkammer vonnöten – hier hab ich nur die besten Erfahrungen gemacht). Vertraue nicht gleich der erstbesten Information. Leider sind unsere AMS-Mäuse nicht gut genug geschult und dem Andrang nicht immer gewachsen, dem sie sich in ihrer Arbeitswelt (also am Arbeitsamt) gegenüber sehen. Man kann auch Glück mit seineR/M BetreuerIN haben – tatsächlich wissen aber leider nur sehr wenige AMS-Menschen wie sie Dir am besten helfen können.

      Gut ist auch sofort auf den diversen Jobvermittlungsportalen anmelden und dein Jobprofil eingeben (karriere.at ist mein Favorit, aber da hat sicherlich jeder seine eigenen Vorlieben).

      Hast Du Bekannte, die Du vielleicht bitten kannst ihre Augen offen zu halten und sollten sie etwas hören, Dir Bescheid zu geben? Vitamin B ist eine nicht zu unterschätzende Größe, will man wieder in die Arbeitswelt einsteigen! Früher mal hätte ich mich geschämt fremde Hilfe anzunehmen. Heute sag ich (jobmäßig): Erst ich, danach die Sintflut.

      Kopf hoch, Klingelfee. Ich weiß, ein blöder Spruch, aber Du wirst sehen, das wird schon werden. Wenn Du Fragen hast, melde Dich einfach bei mir über diesen Blog. Wenn ich kann, helfe ich gern.

      Und JA, endlich hat Fortuna auch mit mir ein Einsehen und ich darf ab Herbst eine Ausbildung zur Bibliothekarin an der Uni Wien machen. Ich bin mega happy!!!!

      Alles Liebe, Kipet

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