Von Lernstoff und Gratis-Botoxsessions

lernstoffEs ist so weit. Eigentlich ist es schon ein bisschen länger so weit: Mein Universitätslehrgang „Library and Information Studies“ hat begonnen!

Unileben, du hast mich wieder. Die holden Hallen der Universität Wien haben mich irgendwie willkommen geheißen. Fast so, als begrüßten sie wohlbekanntes Inventar. Mich.

Zwei Semester war ich nicht da. Und nein, es hat sich nichts verändert. OK, ein paar Aufzüge ob der allerorts gefragten Barrierefreiheit sind dazu gekommen. Ehrlich, ab einem gewissen Alter freut der Mensch sich darüber per Knopfdruck in ein höheres Stockwerk katapultiert zu werden und nicht die endlosen Treppen nehmen zu müssen.

Lustig – auch die Zettelverteiler werden wohl niemals aussterben. Sie stehen immer noch da und drücken beinahe jedem Vorbeikommenden ihre Wische in die Hand, die meistens gleich im nächsten Mistkübel landen. Hah, beinahe jedem, wie gesagt. Mich schauen sie an. Rätseln: „Hm. Was macht die Alte denn an unserer Uni? Nun ja, so ganz verrunzelt sieht sie ja noch nicht aus. Also drück ich ihr zur Sicherheit mal einen meiner Wische in die Hand. Könnt‘ ja sein, dass sie hier studiert.“

Mit bombastisch großer Genugtuung nehm ich diese Wische, sage grinsend danke, lese den einen und anderen sogar durch. Mir drückt man das in die Hand! Mir Seniorstudentin. Fein. Das Gefühl macht jung und jünger. Hier erspare ich mir teure Botoxsessions, die ich mir so und so nicht leisten könnte (oder wollte)…

Und: Es tut verdammt gut wieder was fürs Hirn zu tun.  Manchmal ist’s eine rechte Qual sich hinzusetzen und zu lernen. Das Büffeln fällt ab einem gewissen Alter nicht mehr so leicht wie in Schul- oder Studententagen. Der Ordner mit Lernstoff wird dicker und dicker. So dick, dass ich schon nach nur wenigen Wochen einen zweiten Ordner an Lernstoff fast gefüllt hab.

Sieht man diese Symbole an Wissen oben am Regal stehen staunt man was das Hirn so alles verdauen kann. Oder wie in diesem Fall verdauen muss, weil ich’s will.

Ich will weiter kommen im Leben. Endlich aus dieser Sackgasse namens „Dauerarbeitslosigkeit“ raus. Es ist schrecklich eng hier geworden zwischen AMS-Antrittsbesuchen, erfolglosen Motivationsschreiben und ungezählten Bewerbungsabsagen.

Eng ist’s auch im Börserl geworden. Urlaube waren schon lange nicht mehr drin. Auch das Ausgehen mit Freunden musste ich stark reduzieren. Die Einsamkeit klopfte an meine Türe. Verständnis finden für meine Lage – irgendwo? – Nein, ein Ding der Unmöglichkeit. Die Freunde verstummen und irgendwann fragen sie nicht einmal mehr nach.

Doch jetzt geht’s wieder nach oben. Ich werde Bibliothekarin. Klar, Bibliotheken sind in unserem schönen Alpenländle nur begrenzt vorhanden. Doch diese Ausbildung gibt mir die Möglichkeit wenigstens mit einem gewissen Selbstvertrauen an den Jobmarkt zu gehen. Im nächsten Herbst hab ich’s dann schwarz auf weiß, dass ich das kann was Bibliotheken-Häuptlinge suchen.

Also: Ab ins Lernvergnügen. Ab ins Unileben. Liebe Kommilitonen hab ich schon mal. Auch die Vortragenden sind ausgesucht nette Menschen. Ich lebe auf. Mein Hirn lebt auf. Es ist endlich wieder mal ein Lichtschimmer am Ende des Tunnels zu sehen.

Welt, Du hast mich wieder!

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Ein Gedanke zu „Von Lernstoff und Gratis-Botoxsessions“

  1. Das klingt hoffnungsfroh und zuversichtlich!
    Freut mich für dich – und ich halte dir die Daumen!
    Nicht zu viel und nicht zu wenig.
    Grad so, dass das Glück da bleibt und nicht zerdrückt wird. 🙂

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