Erkenntnisse einer Librarian 2 B

(c) KulleKalle | pixelio
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Da ist man jahrelang auf Jobsuche. Schreibt Motivationsschreiben en masse. Beim Warten auf Antwort auf die ebensolchigen kommt man sich vor wie in Becketts „En attendant Godot“. Kriegt man doch mal Rückmeldung, stellt man sich vor. Tripperippseletripp mit Rock, Bluse, Blazer und High-Heels. Nach etlichen Vorstellungsrunden ein „Du darfst (doch) nicht hinein.“ Und die Chose geht von vorn los.

Irgendwann holt man sich ein sattes Burn-Out. Und ja, das kann man auch vom Nicht-Arbeiten bekommen. Einfach deswegen, weil man sich stresst endlich wieder zum arbeitetenden, Geld verdienenden Teil der Bervölkerung gehören zu wollen. Man macht sich schon mal ganz schnell selbst Druck, verstärkt durchs Umfeld und das AMS (Arbeitsmarktservice).

Dann hat man den Salat. Sitzt in einem Loch gefangen, aus dem man nur schwer raus kommt. Arztbesuche, Pulver und am Ende sechs Wochen Alltags-Auszeit in einer Therapiestation.

Bist du wieder im realen Leben, fängt alles von vorn an.
Hast du aber Glück, geht dein Antrag bei der PVA (Pensionsversicherungsanstalt) und beim AMS durch – du kriegst eine Umschulung bezahlt. Die Freude ist groß. Das Neue lockt, macht dich weniger depressiv, das Burn-Out wird milder. Du fühlst dich wieder wertvoll.

Die Schulung beginnt. BAMMM! Dir werden schon in den ersten paar Minuten Abkürzungen über Abkürzungen um die Ohren geschmissen. Bahnhof. Nein, Nirvana. Du spürst wie dein Gesicht zu einem gigantischen Fragezeichen erstarrt.

Ein Modul jagt das andere. Du lernst spannende Dinge. Dinge, die dich so überhaupt nicht interessieren. Dinge, die du in deinem späteren Beruf vielleicht mal brauchen kannst. Dinge, die du dein Lebtag sicherlich niemals wieder auch nur in Gedanken streifen wirst.

Und all das wird geprüft. Eine Klausur jagt die andere. Dein Hirn platzt schon fast vor lauter Information.

Der Alltag mutiert zum Hamsterrad: Du stehst auf, versorgst dein Katzentier, rennst zur Uni, lässt dich berieseln, kommst heim, versorgst dein Katzentier und lernst und lernst und lernst … Irgendwann fällst du total erschöpft ins Bett. Träumst von Dingen, die du nicht mal im Wachzustand wissen willst. Und das Leben selbst steht auf Warteschleife. Nichts geht mehr.

Dazwischen muss die Abschlussprojektarbeit gemacht werden. Wenig bis gar keine Unterstützung seitens der Projektbetreuung und anhängselnden Projekt-Objekte. Auch einige Arbeiten wollen geschrieben werden.

Woher die Zeit nehmen und nicht stehlen?!
Dein Hirn wird schwerer und schwerer.

Besonders animierend sind die „ich-sag-euch-da-was-im-Geheimen“-Sager der Vortragenden: „Ich mag ja meine Kollegen von der Abteilung X, aber wenn wir ehrlich sind, wer braucht das schon was die da machen?“ oder: „Was die Kollegen in der Abteilung Y machen, das ist alles schon überholt, das geschieht künftig automatisch…“ Nicht nur, dass das was die Kollegen der Abteilungen X und Y machen geprüft wird, macht man damit besonders große Lust diesen Lehrgang zu besuchen! Da kommt einem schon mal ein „schade-um-die-Zeit“ in den Sinn.

Aber wirklich eins vor den Latzt kriegst du wenn dir die Leute, bei denen du dein Praktikum absolvierst einer nach dem anderen  freundschaftlich-intim zuflüstert: „Ich bin ja wirklich sehr beeindruckt, dass ihr alle diesen Lehrgang besucht, aber ihr wisst doch eh, dass ihr nachher keinen Job kriegen werdet.“

Das mach so richtig Freude. Und nein, ich hau nicht den Hut drauf so kurz vorm Ende. Den Rest zieh ich auch noch durch. Und danach, ja, danach werden wir weiter schauen.

Trotzdem.  Ein bisschen mehr Einfühlungsvermögen sollten die Herr- und Frauschaften schon haben und uns Libraians 2 B das Leben nicht dermaßen madig machen!

Und ja, ich werde das der Lehrgangsleitung nach Abschluss meines ULGs sehr wohl „ganz vertraulich“ zuflüstern!

Erkenntniss meinerseits: Es bläst ein arg rauer Wind im Erwerbsalltag – und der wird trotz Weiterbildungen und Umschulung nicht leiser …

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2 Kommentare zu „Erkenntnisse einer Librarian 2 B“

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