Von Auspufffürzen und Motivationskicks

unmotiviertSich nach einem knallbunten Strauß  deftiger Bewerbungspunches in die psychologische Magengegend wieder aufzuschwingen und zu neuen Ufern zu driften ist wahrlich Schwerstarbeit. Momentan tu‘ ich mir damit nicht gerade leicht. Also begebe ich mich auf die Suche nach motivierenden Motivationskicks…

Bewerbungsniederlagen sind langzeitwirksam. Sie tun weh. Im Unterbewusstsein rumort es auch wenn ich vermeiden will, dass die Umgebung davon etwas mitkriegt. Ich fühle mich übergangen. Bin ich zu dumm? Zu blöd? Zu deppert um einen Job zu kriegen? Zu schlecht in meinem Können oder zu unprofessionell? Wieso werde ich nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen? Wieso komm‘ ich nie in die holde Zweitrundenelite? Wieso darf ich nicht endlich tagtäglich in die Arbeit trippeln und (m)einen Job verrichten?

Tatsächlich komme ich mir vor wie Aischylos‘ Figur Orestes mit seiner ewigen ti-draso-Frage, der in der unerträglichen Unendlichkeit des Wartens, des Zögerns und Zweifelns droht unterzugehen.

Doch Helden gehen nicht unter. Die altgriechischen nicht und schon gar nicht Heldinnen der Arbeitssuche! Wir kämpfen uns durch, packen’s an – na ja, vielleicht gehen wir trotzdem unter – doch wenn dann nur hoch erhobenen Hauptes! Königinnenhaft. Strahlend. Nicht wie ein kleines, feines Sternschnüppchen, nein! Mit einem lauten Donnergebrüll, das die Arbeitswelt erschüttert.

Also lass mich brüllen, Motivation!
Wo versteckst du dich?
Wie finde ich dich, du brillante Muse des Motivationsschreibenden?
Komm raus und versteck dich nicht länger, du Feigling du!

Ich denke, ich suche mir etwas worin ich gut bin.

Schwimmen. Ja. Ich gehe eine Runde schwimmen. Heute noch.

Malen. Ich male ein Bild – habe ich schon lange nimmer gemacht und innerlich wartet ein Meisterwerk darauf endlich auf die Leinwand gebannt zu werden. Hmmm. Ja, Farben und Leinwände stehen einsatzbereit an der Motivationsfront und schlafen dort ihren Dornröschenschlaf. Zeit das Meisterwerk dem Musendunst zu entreißen und Wirklichkeit werden zu lassen!

Schreiben. Ja. Ich bekam schon vor ein paar Wochen einen Aufruf meinen Beitrag zu einer bald erscheinenden Anthologie abzuliefern. Ich muss endlich Gas geben will ich mich noch ins Projekt einbringen. Also: hinsetzen und um mein Leben tippen. Die Deadline sitzt mir schon lang im Nacken.

Fotografieren. Ja. Das macht Spaß. Ich tu es auch sehr oft und manchmal packt mich die Motivation und ich veröffentliche ein paar meiner Bilderserien auf meinem anderen Blog – wenn mich denn die Muse packt – und da, hier und jetzt erkenne ich die Schwachstelle an meinen mich nicht wirklich motivierenden Motivationskicks: es sind Kicks, die mich kurzfristig in den Allerwertesten treten, die top sind und mir kurzzeitig Antrieb geben. Doch der Treibstoff ist bald verpufft. Wie ein lachhafter Fehlstart. Ein Auspufffurz.

Um aus Auspufffürzen gelungene Kickstarts zu machen bedarf es einer psychologischen List, die es gilt herauszufinden. Sie versteckt sich herrlich gut, diese List. Ist Meisterin der Tarnung. Sie versteckt sich hinter kleinen, nein, nicht unbedeutenden Wünschen, aber solchen, die den einen, ganz großen Wunsch überdecken. Einfach, weil ich mir diesen einen Wunsch schon lange habe versagen müssen. Er lockt mich in die Ferne. Macht Sehnsucht nach … ja … Meer.

Ich will ans Meer. Ich mag Urlaub. Und ich brauche Urlaub. Dringend. Weg von allem hier, von dem Einerlei. Dem Alltag. Diesem sozialverkacktem Nichtstun. Weg von der Antriebslosigkeit. Von der Arbeitslosigkeit. Hin zum Arbeiten. Zum Job. Zum Geldverdienen und damit zum VERDIENTEN Urlaub. Verdient mit Arbeit, nicht, weil andere – sehr, sehr liebe und extrem wertvolle Andere ❤ – es gut mit mir meinen.

Also kick my ass, Urlaubswunsch. Motiviere mich und lass mich motivierte, spannende, freche, neugierig machende Motivationsschreiben in die Arbeitswelt verschicken!

Job, du darfst kommen!

Advertisements

Ein Kommentar zu “Von Auspufffürzen und Motivationskicks”

  1. Ein gelungener Artikel! Bravo!
    Zeigt die ganze Bandbreite hautnah.
    Muss ein schlimmer Zustand sein, dieses ewige Hoffen, Warten, Bangen, die Enttäuschung, nicht verstehen können warum und weshalb.
    Dann sich doch wieder aufraffen weil man ja arbeiten WILL…
    Nach vielen negativen Erfahrungen neuerlich die Kraft aufzubringen, sich immer wieder zu motivieren muss sehr Nerven aufreibend sein.
    Ich halte dir ganz fest die Daumen.
    Einmal muss es ja klappen! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s