Good news: Back on tracks!

backontracksKaum zu glauben, aber ich habe es geschafft. Nach jahrelangen erfolglosen, frustrierenden, kraftraubenden Motivationsschreiben und nicht minder demotivierenden Antwortmails konnte ich nun endlich einen Job als Bibliothekarin ergattern! Und das gigantische, unfassbare Plus: Ich fange an der Bibliothek an, in die ich mich auf den allerersten Blick auf Knall und Fall verliebt hab!

Wunder geschehen. Wirklich. Und wenn ich gleich was vorweg nehmen darf: Die Hoffnung stirbt tatsächlich zuletzt. Ich kann schon gar nicht mehr zählen wie viele Bewerbungsschreiben ich in den letzten Jahren in den Äther geschickt habe. Zuerst auf Jobausschreibungen für Journalisten, Grafiker, Webdesigner, Social Media Designer, Logodesigner, und und und.

Und als diese Motivationsschreiben nix brachten bewarb ich mich auch als Funkermariechen bei den Taxiunternehmen, bei den großen Kaufhausketten als Regaleinräumerin, als Kindermädchen, als Nachhilfelehrerin für Englisch und Deutsch, als Dogwalkerin und Katzensitterin, als Putzfee, und und und.

Nichts half, gar nichts. Ich war stets unter- oder überqualifiziert. Oder zu alt. Letzteres hat man mir zwar niemals ins Gesicht geschüttelt – das wäre ja diskriminierend gewesen, nicht wahr und darf aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht ehrlich gesagt werden – in meinen Augen wäre es aber ehrlicher gewesen als den üblichen Sermon von wegen „… haben uns für einen anderen Mitbewerber entschieden…“ zu lesen zu kriegen.

Also muss die 40(bald50)+-Bewerberin die Krot schlucken und sich in ihr arbeitsloses Schicksal begeben? Nein: Kampf ist angesagt. Das ist es, was die Arbeitsucherwelt braucht. Kampf, nicht aufgeben. Immer wieder aufrichten. Immer wieder reinbeißen und weitermachen. Kurz trauern, Krönchen richten und weiter im Text.

Ich startete also eine Umschulung zur Bibliothekarin. Während dieses Lehrgangs besuchten wir die eine und andere Bibliothek in Wien. Wunderschöne, nach Büchern duftende Bibliotheken mit spannenden und auch weniger spannenden Themenkreisen. Wir erforschten dunkle, tief in den Erdboden reichende Büchermagazine, klackerten durch Mediatheken und Archive und lernten die faszinierende Welt des „Alten Buches“ kennen – der Traum eines jeden Bücherfexes: Kostbarste, herrlichst verzierte und gestaltete alte, wirklich alte Bücher!

Und es gab eine, die einzig wahre, wirkliche, absolut spacige Bibliothek, die es mir einfach angetan hat: Die WU Wien!

Was soll ich sagen: ich kam, sah sie … erlebte einen wahren Time Warp, einen Sprung in eine andere Galaxie, das Must eines jeden Trekkies, einen Kulturflash, der selbst den schlimmsten Architekturmuffel ins Schwärmen bringt … und wisperte mir selbst zu – ja, schwor es mir geradezu: „Hier möchte ich einmal arbeiten!“

Ich schrieb also nach meinem Lehrgang eine Bewerbung nach der anderen. Hatte ein paar sehr interessante Bewerbungsgespräche, tendierte mal zum Journalismus, dann wieder zur Bibliothekarin, als ich plötzlich eine Jobausschreibung auf der WU-Hompeage entdeckte:

„FACHKRAFT BIBLIOTHEK gesucht“

Was soll ich sagen? Beim Verfassen meines Motivationsschreibens hatte ich nur ein Mantra im Kopf:  „Das ist MEIN Job. Meiner!“

Mit Engelsfeder formulierte ich, schrieb um mein Leben: „Der Job ist meiner. Passt wie die Faust aufs Auge. Und dann auch noch an der WU … !!! Ich muss dieses Bewerbungsgespräch bekommen. Ich muss es bekommen. Ich will! Unbedingt!“

Irgendwie dürfte sich mein kalligrafisches Mantra in die Köpfe der Personalistin an der WU getackert haben … Ich wurde zum Vorstellungstermin eingeladen und … darf morgen endlich anfangen zu arbeiten. Endlich. Ich kann’s kaum glauben!

Jahre der Ängste sind mit einem erlösenden „… wir haben uns für Sie entschieden, Frau Kipet, Sie dürfen, wenn sie noch wollen, bei uns als Bibliothekarin anfangen …“ vorbei.

Jetzt bin ich wieder da wo ich nach meiner Matura angefangen habe – an der WU Wien. Back to square one: Wirtschaft, Soziales, Politik, Recht. Themen, die ich als Jungstudentin letztendlich als langweilig abtat und mich deswegen das Fach wechseln ließen, die mich heute aber nicht zuletzt wegen meiner eigenen Erlebnisse fesseln und beschäftigen. Die jetzt zu meinem Alltag gehören und  mich bei meinem Kampf gegen die Windmühlen begleitet haben.

Es ist geschafft. Ja, ich habe zwischendurch immer wieder die Hoffnung auf eine Anstellung verloren – rechnete damit, dass man mich mit noch nicht mal 50 Jahren in die Frühpension schickt – mit einem läppischen Mindestsicherungsgehalt. Doch ich hab gekämpft. Hab mich immer wieder motiviert, im wahrsten Sinne des Wortes durch dunkle Zeiten durchgebissen. War ausgebrannt und fühlte mich komplett leer. Ich hatte extreme Zukunftsängste, Angst vor der Altersarmut. Das waren Ängste, die mich über Wochen hindurch nicht schlafen haben lassen.

Doch jetzt geht’s endlich bergauf.
Und ja, ich hab’s mir wirklich sehr, sehr, sehr verdient!

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11 Kommentare zu “Good news: Back on tracks!”

  1. Das Klingt einfach umwerfend! 🙂
    Gratulation, liebe Kipet, viel, viel Erfolg!
    Da du ja in diesem Job deine Traumlocation so ganz nebenbei mit bekommst wird es sicher auch an Spaß nicht mangeln! 🙂

    1. Tag 1 ist bereits Geschichte und ich kann nur sagen: ich hab – so wie’s sich anlässt – tatsächlich den Jackpot geknackt! Kollegen sind durchwegs sehr, sehr nett, freundlich und hilfsbereit und die Arbeit selbst macht mir (kann’s nur wiederholen) bis jetzt großen Spaß! Also: tutto bene! 🙂

    1. Danke, brand-new. Tatsächlich war das Duchhalten das Schwerste in dieser langen Zeit der Arbeitslosigkeit. Das und die ganzen sozialen und monetären Begleiterscheinungen, die man sich als arbeitender Mensch gar nicht vorstellen kann.

      Ich bin sehr froh über meinen neuen Job! 🙂

  2. Ich habe immer wieder reingelesen. Ich gratuliere nicht zum Job, sondern zu der Tapferkeit, dem Durchhaltewillen und dem Nicht-Aufgeben. Dass es endlich (verdient) belohnt wird, ist umso schöner.

    1. Hallo, liebe Sibylle Koch,

      ich freue mich sehr, dass du immer wieder in mein Blog reingelesen hast und mich so – auch wenn anonym 😉 – unterstützt hast! Denn jedes Lesen, jeder Klick auf mein Blog wird (zwar ebenfalls anonym aber doch) registriert und zeigt, dass die Menschen an dieser Problematik Interesse haben. Damit hast du mich auch durch diese Zeit der Arbeitslosigkeit begleitet und ich sag DANKE dafür!

      Ja, ich staune selbst über mein Durchhaltevermögen. Es waren sehr harte Zeiten mit verdammt wenig Geld, wenig sozialen Interaktionen, mit Bewerbungssituationen, die man sich als Mensch mit Job niemals bieten lassen würde. Und zum Drüberstreuen mit unglaublichen Zukunftsängsten, die ihren Niederschlag hinterlassen haben.

      Aufgeben war niemals eine Option. Never. Ever.

      Danke nochmals, Sibylle, für deine lieben Worte – sie machen mich stolz!

      Ich wünsch dir alles Liebe,
      Kipet

  3. Ich google Deinen Blog immer 1x pro Woche, um zu sehen wann Du endlich den verdienten Job bekommst, und jetzt hast Du ihn, ich gratuliere herzlich!

    Die WU muss sicher ein großartiger Arbeitgeber sein.

    Halte uns weiterhin am laufen, ich bin schon sehr gespannt, wie es für Dich weitergeht 😀

    Liebe Grüße aus Cork,
    Daniel

    1. Hallo Daniel – willkommen am (Pseudo)Arbeitslosenblog! Ich freu mich total, dass du so ein treuer Leser meiner Geschichten bist.

      Danke fürs Gratulieren. Ja, es hat eine ganz schlimme lange Weile gedauert, bis es mit dem Job geklappt hat. Umso glücklicher bin ich, endlich was gefunden zu haben – und dann auch noch in meiner Wunsch-Bibliothek! Momentan geht halt alles ein bissl drunter und drüber und ich muss viel Neues lernen. Deswegen ist’s grad ein bissl still hier, aber ich werd euch selbstverständlich am Laufenden halten. Ich sammle auch schon fleissig Material für neue Storys aus meinem neuen Arbeitsleben! 🙂

      Freu mich von dir zu hören, Daniel – und ganz besonders liebe Grüße ans wunderschöne Cork!

      Alles Liebe, Petra (Kipet)

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