Über mich

Ich bin / ich war:

  • überzeugter Teilzeit-Single
  • glückliche Katzenmami
  • Von Jänner bis Ende Juni 2007 von meinem Job freigestellt
  • In der Zeit meiner Freistellung entstand mein „Tagebuch einer (Pseudo)Arbeitslosen“-Blog, den ich nun fleißig mit meinen Jobsuche-Stories füttere
  • Nach unendlich vielen, fruchtlosen Motivationsschreiben und null Vermittlungsversuchen seitens des AMS – bin ich unter die „neuen Selbständigen“ gegangen – darf mich also jetzt offiziell Freiberuflerin nennen!
  • Leider war mein Dasein als „neue Selbständige“ trotz enormen „24-Stunden, 7-Tage die Woche“-Einsatzes meinerseits, doch Dank des geringen Salärs, den man Freiberuflern heute in meiner Branche zahlt, nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Die Luft ging mir – finanziell und emotional gesehen – aus und ich musste mich wieder ins große Heer der unfreiwillig arbeitslosen Indianer eingliedern.
  • Als frisch gebackene Absolventin des Universitätslehrganges „Library and Information Studies“ an der UB Wien und erfahrene Journalistin begebe ich mich nun auf den wankelmütigen Pfad der Jobsuche!

Lang, lang ist’s her als ich folgendes schrieb:

Ich bin freigestellt, NOCH nicht arbeitslos – deswegen nenne ich diesen Blog „Tagebuch einer (Pseudo)Arbeitslosen“. Meine zehnjährige Geschichte in einer, für Zeiten wie diese, selten kriesensicheren Firma hat mit Weihnachten 2006 ihr Ende gefunden. Ohne auch nur das geringste Gespür, im Gegenteil, eher in einem unheimlich herablassenden Ton wurden fünf Leute knallhart auf die Strasse gesetzt. Ich brauchte lange bis ich mich erfangen habe, selbst heute kratzt meine in diesem Fall höchsteigene Stupidität mein Selbstwertgefühl an.

Zuerst gibt es eine Zusammenfassung der Geschehnisse des letzten halben Jahres. Danach beginnt mein eigentliches Tagebuch. Ich würde mich freuen, wenn viele Leute es lesen, wenn viele ihre Meinung hinzu fügen, oder aber auch ihre eigene Geschichte erzählen.

Seitdem ist einiges passiert:

Bewerbungsmails: Ich habe Bewerbungsmail raus geschickt … massenhaft. Wäre das alles per Post passiert, hätte mir die Österreichische Post AG einen Aktienanteil schenken müssen. Aus lauter Dank. Leider sind die Antworten auf meine Motivationsmails nicht annähernd so zahlreich retour gekommen, wie die meinigen raus gingen. War ein Schlag fürs Selbstwertgefühl und sich danach wieder für ein neuerliches Motivatinsmail zu motivieren grenzt dann schon an eine sportliche Höchstleistung!

Vorstellungsgespräche: Eine Erfahrung für sich. Teilweise mit enormen Herzklopfen verbunden – beinahe so, als würde man eine Diplomprüfung an der Uni ablegen. Ich hatte im Großen und Ganzen großes Glück mit den mich interviewenden Menschen und ich bin jedes Mal ein bisschen gestärkter aus diesen Vorstellungsrunden ausgestiegen. Dass leider am Ende dabei nichts rausgeschaut hat, ist schade, aber c’est la vie!

Kleiderfrage und der richtige Dresscode: Als verfechterin von guten alten Jeans und Flipflops stellte sich die Frage „was zieh ich beim Bewerbungsgespräch an?“ immer wieder aufs Neue. Auftakeln, antakeln, umadumtakeln und wieder zurück takeln. Ergebnis: Der (in meinen Augen) richtige Desscode – hauptsache ordentlich, schön, adrett, sich aber nicht komplett als etwas verkaufen, was man nicht ist – immer ein bisschen Ich bleiben.

AMS: Eine Geschichte für sich, das AMS. Wenn man das erste Mal zum AMS geht kennt man sich nicht aus. Aber keine Angst, denn mit dem Sich-nicht-auskennen ist man nicht allein. Auch die AMS-Beamten kennen sich nicht wirklich aus. Oder aber sie kennen sich aus – ich imaginiere hier eine geheimen Direktive, welche die AMS-Menschen befolgen müssen, die besagt: Keine Infos an Arbeitslose. Oder zumindest: Keine 100% richtigen Infos an Arbeitslose. Denn am Ende muss der Arbeitslose sich vollkommen selbst durch den AMS-Dschugel wühlen bis er auch nur annähernd die Fragen, die ihm auf der Seele brennen, beantwortet bekommt.
Auch ist der Gang zum AMS stets mit extremen Unwohlsein verbunden. Wieder und wieder muss man untertänigst unter dem Türschlitz am Bauch reinkriechen, lächeln, höflich bleiben – auch wenn das AMSige Gegenüber nicht gerade in Stimmung ist seine miese Laune hinter dem Berg zu lassen. Denn das ist so, mit AMS-Menschen: Ihre Launen sind berechtigt, die der Arbeitssuchenden haben gefälligst vor der stets verschlossenen AMS-Beamtenzimmertür zu bleiben.

Unverständnis: Auch das muss der Arbeitslose schlucken: Unverständnis seitens Familie, Freunde, Fremde und Bekannte. Die gängige Meinung über Arbeitslose: Faules Gesocks, die wollen ja nicht arbeiten … ist in die Gehirne der Gesellschaft eingebrannt. Und sicherlich gibt es eine Menge schwarze Schafe, die genau nach diesem Credo leben. Aber der Großteil der Arbeitslosen ist nicht gern arbeitslos. Leider können Menschen, die das Glück haben noch nie im Leben arbeitslos gewesen zu sein, diese Geschichte einfach nicht nachvollziehen. Erstaunlich, auf wieviel Unverständnis der Arbeitslose trifft …

Gefühlsmäßige Berg-und-Talfahrt: Der Neo-Arbeitslose hat mit vielen Dingen zu kämpfen – aber vor allem seine Gefühlswelt ist in einem großen Durcheinander. Die Selbstzweifel vermindern das Selbstwertgefühl. Die Wut über den Verlust des Jobs macht aggressiv. Das Nichtverständnis der Umwelt macht traurig. Man fühlt sich allein gelassen, missverstanden, unverstanden … so richtig am Boden. Sich aus diesem LOCH wieder raus zu hanteln ist ein Kraftakt sondegrleichen. Hoffnungsvoll schickt man ein Motivationsschreiben raus, wartet einen Tag, wartet zwei Tage, wartet eine Woche, wartet zwei Wochen … und es wird klar: „Die wollen mich nicht! Aber wieso wollen die mich nicht? Was stimmt mit mir nicht, dass NIEMAND mich will?“ Und der Teufelskreis beginnt von vorn.

Rauskommen aus der Misere: Wenn wirklich alle Stricke reißen muss man das Wganis wagen und umdenken. Ich hab mich nach 8 Jahren erfolglosem Bemühen in meinem heißgeliebten Job als Journalistin wieder in der regulären Arbeitswelt Fuß zu fassen mich dazu durchgerungen mich zur Bibliothekarin umschulen zu lassen. Dank der Zusammenarbeit von AMS und PVA konnte ich mir diese teure Schulung leisten. Das Jahr an der UB Wien war kein Honiglecken. Und ja, ich dachte nicht einmal daran den Hut drauf zu werfen. Aber ich biss mich durch…

Ein Gutes hatte der ganze Lernstress im Unilehrgang: Ich habe tatsächlich einen Job finden können! Seit April 2016 arbeite ich – zwar „nur“ karenzvertretungshalber – an der Bibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien. Ich habe die besten Kollegen ever. Zwei wunderbare Chefinnen und darf in der modernsten Bibliothek Euopas meinen Dienst tun. Ja, ich bin happy. Sehr happy. Vot allem nach dieser elenden, langen Durststrecke in deren Verlauf mich schon ab und an die Verzweiflung und die nackte Existenzangst gepackt hat.

Mein Resümée des letzten Jahrzehnts: Ja, es geht irgendwann wieder bergauf. Nur nicht aufgeben! Es kommt ein Licht am Ende eines öden Jobsuchetunnels. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen gesicherten Arbeitsplatz – und lernt auf eure innere Stimme zu hören. Was sie sagt hat Gewicht. Gewaltiges!

Fakt ist und bleibt: Ab 35 Jahren sind Frauen schwer bis nicht mehr vermittelbar.
Immer weniger Indianer verrichten immer mehr Arbeit, die Arbeitswelt wird enger und enger und immer mehr Menschen stehen ohne Job da.
Outsourcing – nicht mehr nur ein Schlagwort, sondern Arbeitsrealität.
Mobilität – ja, gern, natürlich! Doch wohin, wenn niemand mich einstellt?

Die Welt ist kälter geworden, vor allem die Arbeitswelt … ganz besonders wenn man außen vor steht und nicht eimal mehr einen Blick hinein werfen darf!

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10 Kommentare zu „Über mich“

  1. Ich finde mich in vielem wieder, was du hier schreibst … nach dem Studium bin ich jetzt seit über nem halben Jahr auf Arbeitssuche und kann das alles, was du oben erwähnst nur bestätigen! Werd dich jetzt öfter Besuchen kommen 🙂
    Liebe Grüße!

  2. Danke, Mrs. Karibale – ich freue mich immer sehr wenn jemand bei „mir“ vorbei schaut!

    Schlimm wenn man gerade das Studium fertig hat, voll der Freude in die Arbeitswelt stolpert und für längere Zeit nichts bekommt.

    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass Du schnell Deinen Traumjob findest! *daumendrück*

    Alles Liebe, Kipet

  3. Hallo liebe Mina, willkommen auf meinem (Pseudo)Arbeitslosen-Blog!

    Ich hoffe, Dir ist das recht, aber ich habe Deinen Blog auf dem meinigen verlinkt. Gefällt mir. Sehe mich in vielen Dingen wieder und habe mit den gleichen Bewerbungssituationen zu kämpfen wie Du.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du bald fündig wirst und einen Job kriegst, den Du so wirklich gern machst!

    Ich würde Dir gern berichten aus aus der ALU geworden ist, leider weiß ich nicht was damit gemeint ist. Der Begriff ist mir bisland noch nicht unter gekommen und ich würde mich freuen, wenn Du mich diesbezüglich kurz aufklären könntest! 🙂

    Alles Liebe und auf „wiederlesen“,
    Kipet

    1. Hallo liebe Kipet,
      danke für deinen netten Kommentar in meinem Blog. Bist die Erste! Mein Blog ist ja auch noch ganz neu. Hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt einen eröffne aber ich muss mir irgendwie den unglaublichen Frust von der Seele schreiben. Schade, dass du so lange schon den Kampf um den Wiedereinstieg kämpfst. Es tut mir leid, denn auch aus deinem Kommentar erkennt man, dass du deinen Job mehr als gerne nachgegangen bist und dann ist es doch gar nicht zu fassen, dass niemand so eine engagierte Kraft einstellt. Auch ich habe schon überlegt mich selbständig zu machen aber ich glaube, dass ist auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss.
      Würde mich wirklich sehr freuen, zu hören wie es bei dir weitergeht.
      PS: ALU bedeutet Arbeitslosigkeit
      Alles Liebe dir und auf bald
      Mina

      1. Das Bloggen hat auch mir sehr geholfen. Ich wusste vor lauter Zorn und Verzweiflung nicht wohin mit all meinen Gefühlen. Deswegen hab ich damals den (Pseudo)Arbeitslosenblog angefangen. Es tat gut zu lesen, dass ich nicht allein mit all dem Mist war/bin.

        Ja, auch ich war wie vor den Kopf gestoßen als mir klar wurde, wie schwer es für mich mit meinen damals fast 40 Jahren war als Journalistin einen neuen Job als Angestellte zu finden. Wie gesagt, ein Umdenken war (leider) unumstößlich.

        Ich werde sicherlich öfter bei Dir „vorbei-lesen“ 😉

        Und danke für die Aufklärung bezgl. ALU! 😉 Kurz gesagt: Ich habe mich 7 Jahre lang bemüht einen Job zu kriegen. Wollte unbedingt in eine Anstellung. Hab mich auch auf andere Jobs als Journalismus beworben, da war ich immer überqualifizert, ich würde nicht lang bleiben, hieß es. Meine Selbständigenzeit war wunderbar, finanziell jedoch ein Disaster. Ich habe Halbtagsjobs angenommen, die versteckte Ganztagsjobs waren und wo man mir in keinster Weise entgegenkam – das ging auf meine Psyche und meinen Selbstwert. Letztendlich habe ich mich jetzt für ein Curriculum an der Uni Wien beworben und darf ab Oktober 2014 mich zur Bibliothekarin umschulen lassen. Ich freue mich sehr über diese Chance und hoffe, dass es danach mit einem Job wieder klappt.

        Alles Liebe und bis bald,
        Kipet

  4. hi Kipet, freue mich wirklich deinen Blog entdeckt zu haben, ist erfrischend und alles sehr nachvollziehbar, was du da schreibst. Ich habe selbst vor kurzem einen Blog über einen ähnlichen Themenbereich gegründet (www.unemploy-me.com), auch weil mir nach einigen Erfahrungen der Kragen geplatzt ist. Vielleicht hast du ja Lust, da mal vorbeizuschauen? wäre cool, wenn wir in Kontakt bleiben bzw. erst mal kommen ;))
    lg

    1. Hallo, Brand-New – willkommen auf meinem (Pseudo)Arbeitslosenblog!

      Ja, es ist schlimm, was einem im Laufe einer Jobsuche so begegnet – angefangen von den stets „nie-wissen-wie’s-wirkt“-Motivationsschreiben (die ewige Unsicherheit im Genick), dazu eine Unmenge an abgeschickten Bewerbungen und darauf kaum Antworten zu erhalten, oft bis zu – im besten Fall – als schräg zu benennenden Bewerbungsgesprächen.

      Gern werd ich mich auf deinem Blog umschauen, bin schon gespannt, was du so alles erlebt hast. Im Grunde genommen können unsere Erfahrungen ganze Bücher füllen… 😉

      Alles Liebe und ich freu mich dich „wieder zu lesen“,
      Kipet (Petra)

      1. Ja, da gibt´s leider eine Menge schräge Geschichten, ich bin da auch gar keine Ausnahme. Auf jeden Fall freu ich mich auf unseren zukünftigen Info-Austausch!! :)) PS.: Hoffe, du hast mittlerweile deinen Bibliotheksjob??

      2. Na ja – so halb/halb. Ich hab einen Zuveridenstgrenzenjob mal sicher und morgen ein Vorstellungsgespräch. Ich hoffe wirklich, dass sich mein Arbeitsleben bald mal normalisiert!! 🙂

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